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Showing posts with the label Berlin

Eine Frage der Diebesehre - Die Kobra von Kreuzberg

 Das ist Pulp Fiction vom Feinsten: Beverley Kaczmarek, Spross eines Ganovenclans aus Opole, will es ihrer Familie endlich mal beweisen. Sie hat genug davon, als das angeblich unfähige Nesthäkchen belächelt zu werden. Gerade können sich ihre älteren Brüder dank des Diebstahls zweier Fabergé Eier im Ruhm sonnen - da muss Beverley noch eins drauf setzen. Das ist ganz klar eine Frage des Diebesehre! Ihr Coup soll ihr endlich den verdienten Respekt der Familie verschaffen, womöglich gar einen Artikel im internationalen Fachmagazin der Branche, dem Heist Journal! Einfacher Kunstraub ist nichts für Beverley: Sie will die Quadriga vom Brandenburger Tor klauen - und auch mit den logistischen Herausforderungen fertig werden. Immerhin: wie ist so eine Beute wegzuschaffen? In "Die Kobra von Kreuzberg" bedient sich Michel Decars eines wunderbar schrägen und trashigen Humors und rasanten Tempos. Durch das ganze Buch zieht sich ein wunderbarer Hauch von Anarchie, mit Seitenhieben auf die b...

Rock ´n ´Roll, Verdrängung und Mord - Der Petticoat-Mörder

 Wer sich hinter Leonard Bell verbirgt, darüber muss vorerst nur gerätselt werden - der Autor von "Der Petticoat-Mörder" nutzt ein Pseudonym für den Auftakt einer historischen Krimireihe aus dem Berlin der späten 50-er Jahre. Nun bin ich zwar ebenso wie der Autor nicht alt genug, um die Zeit selbst erlebt zu haben, aber die Erzählungen älterer Verwandten schildern ein ähnliches Zeitgefühl. Wirtschaftswunderzeiten, Rock ´n´Roll und eine erste Ahnung von der Konfrontation der Kriegs- und der Nachriegsgeneration, die in den 60-er Jahren kulminieren würde. Und dann auch noch in Berlin - nach der Blockade, vor dem Mauerbau, der Kalte Krieg ist sehr spürbar. Mit Kriminalassistent Fred Lemke hat der Autor einen Protagonisten geschaffen, der das ganze Gegenteil eines hard boiled cop ist. Wir begleiten ihn auf dem Weg zum ersten Arbeitstag im Berliner Landeskriminalamt, einen gerade mal 23 Jahre alten, eher unsicheren jungen Mann, der obendrein gerade von seiner Pensionswirtin rausges...

Harter Großstadtkrimi um Trauma und Missbrauch - letzter Ausweg Tempelhof

Wer auf leichte Spannungskost steht und harmoniebedürftig auf ein happy end für die Gerechtigkeit wartet, ist mit Hilkje Hänels Berlin-Krimi "Letzter Ausweg Tempelhof"nicht richtig bedient. Hier geht es hart und düster zu wie sonst vor allem in skandinavischen Krimis. Depremierend ist schon der erste Mordfall, zu dem das Team des Berliner LKA gerufen wird: Zwei tote Flüchtlingskinder und ihre erhängt aufgefundene Mutter. Alles weist auf einen erweiterten Suizid hin, der in der tristen Flüchtlingsunterkunft in einer Halle auf dem früheen Flughafen Tempelhof stattgefunden hat. Ermittlungschef Lepke steht vor einem Rätsel: warum hat die Frau, die schon so viel durchgestanden hat, an einem Ort ihr Leben beendet, an dem sie nach geglückter Flucht auf einen Neuanfang hoffen konnte? Weitere tote Kinder und tote Frauen werden im Verlauf von "Letzter Ausweg Tempelhof" die Ermittler beschäftigen. Alexandra Gode, gerade erst wieder nach einem langen Krankenhausaufenthalt a...