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Trautes Heim, Glück allein?

  Wer  in attraktiven Großstädten mit einem recht hohen betuchten Bevölkerungsanteil in jüngster Zeit auf Wohnungssuche war, weiß - das ist Psychostress pur. Wie die Suche nach einer eigenen Immobilie ist, kann ich mir da nur vorstellen. In Marisa Kashinos Psychothriller "Tödliches Angebot" hat dieser Stress, wie der Titel bereits verrät, fatale Folgen. Ich-Erzählerin Margo hat klare Vorstellungen von der Zukunft mit Ehemann Ian: Ein harmonisches Familienleben im Eigenheim in einem der guten Vororte Washingtons, mit Zugang zu guten Schulen. Ein Leben, wie sie es in ihrer eigenen Kindheit nicht hatte. Für diesen Traum ist sie bereit, notfalls über Leichen zu gehen. Und das ist keinesfalls symbolisch gemeint. Seit 16 Monaten leben Margo und Ian in einer kleinen Mietwohnung, mehr als ein Dutzend mal sind sie im Bieterkrieg um Immobilien gescheitert. Die Enge in der Wohnung, die Enttäuschung nach jedem gescheiterten Gebot, die immer lauter tickende biologische Uhr der fast 38-jäh...
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Eine Superforecasterin verschwindet

 So ganz vorbei war der Kalte Krieg für die Geheimdienste ja vermutlich nie. Und spätestens mit dem Aufstieg Putins dürften die einschlägigen Analysten wieder on high alert gewesen sein. Diana Taverner ist daher alles anderes als amused, als sich vor einem scheinbar harmlosen Fest der russischen Botschaft herausstellt, dass ihr russischer Amtskollege seit mehr als 24 Stunden unerkannt in London unterwegs sind, weil einige der "boys and girls" der MI5-Zentrale beim Monitoring der anreisenden Russen leider gepennt haben.  Doch noch etwas anderes gibt Rätsel aus: Die Schweizer Superforecasterin, die ein Sonderberater des Premierministers angeheuert hat, ist verschwunden. Und Jack Sparrow, besagter Sonderberater, ist nicht nur ein gewaltiger Intrigant, sondern gewissermaßen die graue Eminenz in der Downing Street, der  ausgerechnet Taverners Vorgänger, den glücklosen Claude Whelan, damit beauftragt, zum Verbleib seiner Mitarbeiterin zu recherchieren. Ihr letzter Anruf, so ste...

Detektive als Zeitreisende

 Der Titel von Elly Griffiths Kriminalroman "Manche Schuld vergeht nie" könnte auch der Motto der geheimen Ermittlungsarbeit sein, in der Alison Dawson arbeitet. Sie klären nicht nur cold cases auf, sie reisen dafür sogar in die Vergangenheit, dank der Erfindung einer exzentrisch-genialen italienischen Wissenschaftlerin. Und auch das Team selbst entspricht nicht so ganz der üblichen Zusammensetzung eines normalen Polizeireviers - Hacker, ein trockener Alkoholiker, und eben Alison, die mit 18 die Schule abbrach, mit 19 schwanger wurde, als Putzfrau arbeitete, schließlich doch studierte und zur Polizei ging.  Sohn Finn arbeitet zum Leidwesen seiner linken Mutter als persönlicher Assistent bei dem Tory-Justizminister Templeton, der die Einheit und speziell Alison gewissermaßen in eigener Sache anfordert: War sein Urgroßvater ein Frauenmörder und der Collectors Club, dem er angehörte, eine höchst sinistre Organisation?  Allison wird, in passender Kleidung und mit historischen...

Berliner Nachkriegswinter als Schauplatz eines historischen Krimis

 Dass Anne Stern  historische Romane um starke Frauenfiguren und mit einer ordentlichen Würze Spannung kann, hat sie mit ihrer Reihe um die Hebamme Hulda Gold im Berlin der 1920-er Jahre bewiesen. Berlin ist auch die Kulisse einer neuen historischen Krimireihe, deren Auftaktband "Die weiße Nacht" ist. Diesmal führt Stern ihre Leser*innen allerdings in die Berliner Trümmerlandschaft des Jahres 1946. Lou Faber, eine junge Fotografin, sucht die Ästhetik inmitten der Zerstörung. Wenn sie Glück hat, kann sie auch das eine oder andere Bild an eine Frauenzeitschrift verkaufen, aber wovon die - ursprünglich wohl großbürgerliche - junge Frau eigentlich ihr Einkommen bestreitet, bleibt letztlich unklar. Bei einer ihrer Fotorecherchen findet sie auf einem Trümmergrundstück die Leiche einer jungen Frau. Die Tote ist ein Fall Kommissar Alfred König der Berliner Polizei, der in seinem beruflichen Umfeld teils mit Dilettanten, die im Schnellkurs zu Polizisten gemacht werden, zu tun hat, ode...

Südtiroler Wintersportkrimi

 Ein wenig passt Lenz Koppelstätters neuer Südtirol-Krimi mit seinem Protagonisten Commissario Grauner ja als Begleitlektüre zur Winterolympiade. Denn der Wintersport, Ehrgeiz und Leistung um jeden Preis spielen auch hier eine Rolle. Ein romantisches Hütten-Wochenende des Ehepaares Tappeiner/Saltapepe  bekommt schnell eine neue Wendung, als bei einem wichtigen Abfahrtslauf ein Skitalent ums Leben kommt. Schnell stellt sich heraus - kein Sturz, sondern ein Schuss war die Todesursache. Also Ermitteln statt Hütten-Idylle. Der Dorfklatsch scheint durchaus hilfreich, denn so lernen Grauner - frisch von seiner Weltreise zurück - und seine Kollegen über eine schon seit langem bestehende Fehde zwischen den Eltern des Toten, die eine Skihütte betreiben, und dem Betreiber eines Ökobauernhofs, dessen Wald gegen dessen Willen für die Abfahrtstrecke abgeholzt wurde. Und dessen Sohn, ein großes Skitalent, nach einer positiven Dopingprobe  die Hoffnungen auf einen Platz im Nationalteam ...

Cold Case in Christiania

  In ihrem Roman "Schwelbrand" lässt Katrine Engberg ihre Kopenhagener Privatdetektivin Liv Jensen ihren persönlichsten Fall erleben.  Jensens neuester Klient, ein ehemaliger Rechtsanwalt, wird ermordet - und sie findet heraus, dass er ein alter Bekannter ihres geliebten Großvaters war. Hat der Jahrzehnte zurückliegende Tod des drogensüchtigen Sohnes des damaligen Generalstaatsanwalts in der Freistadt Christiana etwas mit dem Mord zu tun?  Denn damals lebte der Anwalt in Christiana, gehörte dem sogenannten Rat an, der eine Art interne Rechtsprechung übte. Ihr Großvater, dem sie später in den Polizeiberuf folgte, ermittelte in der Angelegenheit - und die Witwe seines damaligen Partners macht Andeutungen, die den Ruf des Großvaters trüben könnten. Zudem ahnt Jensen, dass in ihrer Kindheit etwas in Christiana geschehen sein könnte, als sie dort einige Tage mit ihrem Opa verbrachte. Etwas Belastendes, das sie verdrängte - doch allein beim Gedanken an Christiana fühlt sie sich...

Hausfrau im Zentrum einer tödlichen Verschwörung

 Ich kenne und schätze Mick Herron als Autor der Geheimdienstserie um die "Slow Horses" des MI5. Da war ich natürlich neugierig auf seine Reihe um die Privatdetektivin Zoe Boehm und wurde nicht enttäuscht: Auch hier findet sich die unwiderstehliche Mischung aus Spannung, Geheimnissen und einer ordentlichen Prise britischen Humors, dazu Protagonisten, die eher unfreiwillig in Verschwörungen und finstere Machenschaften stolpern. Zoe Boehm ist allerdings - bis jetzt - eine Nebenfigur, die erst spät in der Handlung Profil entwickelt. Vor allem geht es um die Hausfrau Sarah, die weder beruflich noch privat gerade viel Freude an ihrem Leben hat. Ehemann Mark ist in der Finanzwelt tätig und verlässt sich darauf, dass sie ihm den Rücken freihält, ohne sie umgekehrt in ihren fast schon vergessenen Ambitionen zu unterstützen. Nun soll sie auch noch als Gastgeberin eines Dinners für einen wichtigen Kunden brillieren, den sie schon sehr schnell nervig und abscheulich findet. Dann allerdi...