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Ermitteln mit Doktor Schiwago

 Im dritten Band von Lenz Koppelstätters Gardasee-Krimiserie, "Wenn der Sturm ruht" führt der Plot tief in die italienische Vergangenheit - in die "bleierne Zeit" und in den Faschismus, die noch immer vorhandenen rechtsextremistischen Netzwerke. Ganz schön viel für eine Zeit, in der Polizeireporterin Gianna Pitti, ihr Vater Arnaldo und ihre einstige Chefredakteurin Elvira eigentlich schon gut ausgelastet mit dem nuovo Messagero sind - multimedial, angepasst an die Medienbedürfnisse des 21. Jahrhunderts. Aber wenn nach der Eröffnungsparty der neuen Redaktionsräume ein Toter an Arnaldos Schreibtisch gefunden wird, müssen die drei mal wieder ermitteln - und auch der Marchese, Giannas Onkel und Arnaldos so ganz anderer älterer Bruder, ist wieder mit dabei. Mit dem nunmehr dritten Buch ist Koppelstätter endgültig bei seinen Protagonisten "angekommen", bei ihren Leidenschaften und Zweifeln, Ambitionen und Gefühlsturbulenzen. Der Mord führt in eine komplexe Verga...
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Geheimnisse der Schäreninsel

 Wie die Mutter, so die Tochter, könnte man sagen bei dem Schwesdenkrimi "Bachelorette Party" von Camilla Sten. Denn deren Mutter Viveca Sten schreibt ebenfalls schon lange und erfolgreich Krimis, die ebenfalls häufig in der schwedischen Schärenlandschaft spielen. Hier ist auch der Schauplatz der Bachelorette Party, die Ich-Erzählerin Tessa zusammen mit ihrer Schwester und mehreren Jugendfreundinnen besucht, um den Junggesellinnenabschied Annelieses in einem Yoga-Retreat auf einer kleinen Schäreninsel zu feiern. Tessa allerdings hat durchaus ein paar eigennützige Motive: Ihre Podcast-Karriere über true crimes endete aprupt, als der Vater eines jugendlichen Mörders, dem sie erst aggressiv nachstellte und dessen Zitate sie dann aus dem Zusammenhang gerissen und reißerisch verwendete, Suizid beginn. Das war auch das Ende der Beziehung zu ihrer Produzentin, bedeutete Geldsorgen, ein drohendes Gerichtsverfahren und den Verlust des sozialen Status. Doch die Junggesellinnenparty kön...

Annäherung an eine tote Schwester

 Lucy Clarke ist bekannt für ihre Psychothriller, die in der Regel mit verschiedenen Zeitperspektiven und an exotischen, schönen Orten spielen. Ihr nun wieder aufgelegter Debütroman "Sea Sisters" nimmt da schon einiges vorneweg. Allerdings geht es hier nocht um ein Verbrechen, sondern die komplizierte Beziehung zweier Schwestern, zwischen denen plötzlich keine Aussprache mehr möglich ist. Die Rollen der Schwestern schienen von Kindheit an klar verteilt: Katie, die Ältere - vernünftig, verantwortungsbewusst, planvoll und vorausschauend. Die drei Jahre jüngere Mia die Wilde, Unberechenbare, Spontane, die sich nicht an feste Regeln halten will. Dennoch waren die beiden als Kinder sehr eng verbunden. Als Erwachsene hat sich etwas verschoben, gerade als die alleinerziehende Mutter der Schwestern an Krebs erkrankte und es Katie war, die Pflege und Sterben der Mutter alleine durchstehen musste, während Mia sich der Situation nicht stellen wollte oder konnte. Doch dann kommt der Tag,...

Ministerpräsident im Zwielicht

  Investigativjournalistin Julia ist gleich doppelt gefrustet: Ihre Karriere stockt, seit sie ein wenig sehr aggressiv eine Pressesprecherin um Informationen anging. Und Ehemann Alfred, der ihr bisher mit Hausarbeit und Kindererziehung den Rücken freihielt, hat plötzlich selbst einen fordernden Job als Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Schon vor Amtsantritt besteht er seine erste Feuerprobe. Julia ist zwar durchaus stolz auf ihn, aber dass sie sich plötzlich verstärkt um die Kinder kümmern und an Einkaufslisten denken muss - nein, das passt ihr gar nicht, auch wenn sie eigentlich ausgemacht haben, dass nach zehn Jahren Carework jetzt mal Alfred dran ist mit dem beruflichen Durchstarten. Soviel zur Ausgangsposition von "Die Stockholm Protokolle" von Joakim Zander und Moa Berglöf, die als tatsächliche langjährige Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten mit dem Einblick in Macht und Intrigen recht vertraut sein dürfte. Alfred dagegen, der als Außenseiter in d...

Wolliges Ermittlerteam

 Es ist Jahre her, dass ich Leonie Swanns Schafskrimi "Glenkill" gelesen habe. Als ich sah, dass Miss Maple, Mopple the Whale mit dem guten Gedächtnis, Sir Richmond und die anderen Herdentiere im Mittelpunkt des Folgebands "Garou" stehen, wollte ich natürlich wissen, welche Abenteuer die Schafe diesmal erleben. Klärten die Schafe einst den Mord an ihrem Hirten George auf, wollen sie nun dafür sorgen, dass ihrer neuen Hirtin Rebecca nichts passiert. Auch einen Ortswechsel gibt es, denn Rebecca ist mit der Herde von Irland nach Frankreich in die Nachbarschaft eines Schlosses gezogen. Dort sprechen die Leute nicht nur unverständliches Europäisch, in unmittelbarer Nachbarschaft der Schafsweide leben Ziegen - da sind sich die Schafe erst mal gar nicht sicher, ob der Umzug so eine gute Idee war. Die vorwitzigen Ziegen sind es auch, die den Schafen vom Garou erzählen einem Menschen, in dem sich ein Wolf versteckt. Und der muss verdammt wild sein, wenn man den Zustand eines...

Hobby-Ornithologen auf Mörderjagd

 Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall hat sie aber zu Freunden gemacht. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel - SoKo Zwergsäger" ermittelt das ungleiche Quartett ein weiteres Mal. Denn Haralds Kumpel und Schrebergartennachbar gerät unter Mordverdacht, als ein Taubenzüchter tot auf seinem Grundstück gefunden wird. Die beiden Männer hatten sich heftig gestritten. Klar, dass die übrigen Freunde Harald nicht im Stich lassen, wenn er die Unschuld seines Freundes beweisen will. Wie schon der erste Band um die Abenteuer der Hobby-Ornithologen am Chiemsee  lebt das Buch von den sehr unterschiedlichen und durchaus eigenwilligen Charakteren. Die Protagonisten haben sich zusammengerauft, zwischen dem grantelnden Harald und dem vegan lebenden und politisch stets korrekten Thilo ist eine Freundschaft entstanden, die a...

Tödliche Beziehungskrisen

 In Liebesdingen hatte Natalie, die Protagonistin in Leodora Darlingtons Psychothriller "The Exes" bisher wenig Glück. Alle ihre bisherigen Freunde erwiesen sich als ausgesprochen toxisch. Doch dann lernt sie James kennen: Freundlich, zuvorkommend, sanftmütig - ein bißchen kompliziert ist, dass er auch ihr Chef ist. Doch nach einem nicht ganz so zufälligem Treffen im Pub führt eins zum anderen und schließlich zur Hochzeit.  Wenn das schon alles wäre, wäre "The Exes" ein langweiliger Gefühlsroman. Ist er aber ganz und gar nicht, denn nach und nach entblättert Darlington Natalies Vergangenheit in Form von Briefen, die sie an ihre Ex-Freunde schrieb. Briefe, die niemanden mehr erreichen können - die drei sind nämlich allesamt tot. Eine merkwürdige, aber immerhin mögliche Häufung von Zufällen? Natalie stand zum jeweiligen Todeszeitpunkt unter Drogen- oder Alkoholeinfluss und kann sich an nichts erinnern. Aber so richtig traut sie sich selbst nicht.  Kein Wunder, dass si...