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Surferkrimi in Tropenparadies

  Bei Asia Noir habe ich bisher immer an koreanische oder japanische Krimis gedacht. Daniel Fassbender rückt mit "Heaven´s Gate" aber auch ein tropisches Inselparadies auf den Philippinen in düstere Stimmung. Sein Protagonist Caruso, ehemaliger Profisurfer und als Privatdetektiv bislang eher mit Kleinigkeiten wie gestohlenen Mopeds beschäftigt, rückt ebenfalls zunehmend in die Nähe der hard boiled Detektive der klassischen Noir-Serie, die von schönen Frauen betrogen werden und reichlich Prügel kassieren. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich als ein Sumpf von Drogen und Korruption, dass auch noch ein Taifun aufzieht, scheint da nur konsequent. Eine schöne, reiche Spanierin heuert Caruso an, der bisher zwischen Surfen und viel Alkohol ein recht entspanntes Leben hatte. Ihr Sohn ist verschwunden und hat sich mit seinem Plan, groß ins Drogengeschäft einzusteigen, offensichtlich übernommen. Caruso stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf Gegenwind, sondern auch auf Gefahren...
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Toxische Männer und Frauen voller Geheimnisse

 Lügen, Stehlen, Betrügen - das hat Grace, die früher mal Anita hieß, von früher Jugend an gelernt. In Pflegefamilien aufgewachsen, hat ein korrupter Polizist sie zur Meisterdiebin gegroomt - und sie von ihren früheren Pflegebruder Adam entfremdet. Der hat mittlerweile eine Rechnung mit ihr offen. Kein Wunder also, dass Graces Fluchtinstinkt schlagartig einsetzt, als sie bei einem neuen geplanten Beutezug auf ihn trifft und das macht, was sie in solchen Krisen stets macht - schleunigster Orts- und Identitätswechsel. Eine australische Kleinstadt und der neue Job als Aushilfe in einem Antiquitätenladen scheinen da vielversprechend. In Garry Dishers Kriminalroman "Zuflucht" ist Grace als entwurzelte junge Frau zwischen der Sehnsucht nach Normalität und der Suche nach Kick und dem nächsten Coup zu erleben. Ihre zurückgezogen lebende neue Chefin Erin stellt wenig Fragen und überlässt der neuen Mitarbeiterin zunehmend mehr Selbständigkeit. Die Leser*innen ahnen früh - auch Erin hat...

Ein eigenwilliges Ermittlerteam und ein vertrackter Fall

 Erst zögerte ich ein wenig, mit "Die Witwe" von M.W. Craven mitten in eine existierende Serie einzusteigen, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Nun bin ich aber sehr froh, dass ich das Buch gelesen habe. Der Kontext in die Vergangenheit wird immer wieder mal erklärt, ohne den Erzählfluss zu stören. Vor allem aber begeistert mich die Mischung aus Spannung, einem bissigen Humor und einem eigenwillig-exzentrischen Ermittlerteam, das ein bißchen an das literarische Personal von Mick Herron erinnert mit seiner Eigensinnigkeit, seinen Sprüchen und einem wunderbaren Individualismus. Ganz nebenbei machen die literarischen Anspielungen im Text einfach Spaß. Tilly Bradshaw und Washington Poe sind jedenfalls ein Team, das ich mir merke: Die hochintelligente Tilly, die sich hinter so ziemlich jede Firewall hacken kann, einschließlich die des Geheimdienstes, deren soziale Intelligenz aber ein bißchen hinterherhinkt. Und Poe, der sich wie ein Terrier in einen Fall verbeißt, Anordnungen von...

Trautes Heim, Glück allein?

  Wer  in attraktiven Großstädten mit einem recht hohen betuchten Bevölkerungsanteil in jüngster Zeit auf Wohnungssuche war, weiß - das ist Psychostress pur. Wie die Suche nach einer eigenen Immobilie ist, kann ich mir da nur vorstellen. In Marisa Kashinos Psychothriller "Tödliches Angebot" hat dieser Stress, wie der Titel bereits verrät, fatale Folgen. Ich-Erzählerin Margo hat klare Vorstellungen von der Zukunft mit Ehemann Ian: Ein harmonisches Familienleben im Eigenheim in einem der guten Vororte Washingtons, mit Zugang zu guten Schulen. Ein Leben, wie sie es in ihrer eigenen Kindheit nicht hatte. Für diesen Traum ist sie bereit, notfalls über Leichen zu gehen. Und das ist keinesfalls symbolisch gemeint. Seit 16 Monaten leben Margo und Ian in einer kleinen Mietwohnung, mehr als ein Dutzend mal sind sie im Bieterkrieg um Immobilien gescheitert. Die Enge in der Wohnung, die Enttäuschung nach jedem gescheiterten Gebot, die immer lauter tickende biologische Uhr der fast 38-jäh...

Eine Superforecasterin verschwindet

 So ganz vorbei war der Kalte Krieg für die Geheimdienste ja vermutlich nie. Und spätestens mit dem Aufstieg Putins dürften die einschlägigen Analysten wieder on high alert gewesen sein. Diana Taverner ist daher alles anderes als amused, als sich vor einem scheinbar harmlosen Fest der russischen Botschaft herausstellt, dass ihr russischer Amtskollege seit mehr als 24 Stunden unerkannt in London unterwegs sind, weil einige der "boys and girls" der MI5-Zentrale beim Monitoring der anreisenden Russen leider gepennt haben.  Doch noch etwas anderes gibt Rätsel aus: Die Schweizer Superforecasterin, die ein Sonderberater des Premierministers angeheuert hat, ist verschwunden. Und Jack Sparrow, besagter Sonderberater, ist nicht nur ein gewaltiger Intrigant, sondern gewissermaßen die graue Eminenz in der Downing Street, der  ausgerechnet Taverners Vorgänger, den glücklosen Claude Whelan, damit beauftragt, zum Verbleib seiner Mitarbeiterin zu recherchieren. Ihr letzter Anruf, so ste...

Detektive als Zeitreisende

 Der Titel von Elly Griffiths Kriminalroman "Manche Schuld vergeht nie" könnte auch der Motto der geheimen Ermittlungsarbeit sein, in der Alison Dawson arbeitet. Sie klären nicht nur cold cases auf, sie reisen dafür sogar in die Vergangenheit, dank der Erfindung einer exzentrisch-genialen italienischen Wissenschaftlerin. Und auch das Team selbst entspricht nicht so ganz der üblichen Zusammensetzung eines normalen Polizeireviers - Hacker, ein trockener Alkoholiker, und eben Alison, die mit 18 die Schule abbrach, mit 19 schwanger wurde, als Putzfrau arbeitete, schließlich doch studierte und zur Polizei ging.  Sohn Finn arbeitet zum Leidwesen seiner linken Mutter als persönlicher Assistent bei dem Tory-Justizminister Templeton, der die Einheit und speziell Alison gewissermaßen in eigener Sache anfordert: War sein Urgroßvater ein Frauenmörder und der Collectors Club, dem er angehörte, eine höchst sinistre Organisation?  Allison wird, in passender Kleidung und mit historischen...

Berliner Nachkriegswinter als Schauplatz eines historischen Krimis

 Dass Anne Stern  historische Romane um starke Frauenfiguren und mit einer ordentlichen Würze Spannung kann, hat sie mit ihrer Reihe um die Hebamme Hulda Gold im Berlin der 1920-er Jahre bewiesen. Berlin ist auch die Kulisse einer neuen historischen Krimireihe, deren Auftaktband "Die weiße Nacht" ist. Diesmal führt Stern ihre Leser*innen allerdings in die Berliner Trümmerlandschaft des Jahres 1946. Lou Faber, eine junge Fotografin, sucht die Ästhetik inmitten der Zerstörung. Wenn sie Glück hat, kann sie auch das eine oder andere Bild an eine Frauenzeitschrift verkaufen, aber wovon die - ursprünglich wohl großbürgerliche - junge Frau eigentlich ihr Einkommen bestreitet, bleibt letztlich unklar. Bei einer ihrer Fotorecherchen findet sie auf einem Trümmergrundstück die Leiche einer jungen Frau. Die Tote ist ein Fall Kommissar Alfred König der Berliner Polizei, der in seinem beruflichen Umfeld teils mit Dilettanten, die im Schnellkurs zu Polizisten gemacht werden, zu tun hat, ode...