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Showing posts with the label Großbritannien

Ein eigenwilliges Ermittlerteam und ein vertrackter Fall

 Erst zögerte ich ein wenig, mit "Die Witwe" von M.W. Craven mitten in eine existierende Serie einzusteigen, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Nun bin ich aber sehr froh, dass ich das Buch gelesen habe. Der Kontext in die Vergangenheit wird immer wieder mal erklärt, ohne den Erzählfluss zu stören. Vor allem aber begeistert mich die Mischung aus Spannung, einem bissigen Humor und einem eigenwillig-exzentrischen Ermittlerteam, das ein bißchen an das literarische Personal von Mick Herron erinnert mit seiner Eigensinnigkeit, seinen Sprüchen und einem wunderbaren Individualismus. Ganz nebenbei machen die literarischen Anspielungen im Text einfach Spaß. Tilly Bradshaw und Washington Poe sind jedenfalls ein Team, das ich mir merke: Die hochintelligente Tilly, die sich hinter so ziemlich jede Firewall hacken kann, einschließlich die des Geheimdienstes, deren soziale Intelligenz aber ein bißchen hinterherhinkt. Und Poe, der sich wie ein Terrier in einen Fall verbeißt, Anordnungen von...

Eine Superforecasterin verschwindet

 So ganz vorbei war der Kalte Krieg für die Geheimdienste ja vermutlich nie. Und spätestens mit dem Aufstieg Putins dürften die einschlägigen Analysten wieder on high alert gewesen sein. Diana Taverner ist daher alles anderes als amused, als sich vor einem scheinbar harmlosen Fest der russischen Botschaft herausstellt, dass ihr russischer Amtskollege seit mehr als 24 Stunden unerkannt in London unterwegs sind, weil einige der "boys and girls" der MI5-Zentrale beim Monitoring der anreisenden Russen leider gepennt haben.  Doch noch etwas anderes gibt Rätsel aus: Die Schweizer Superforecasterin, die ein Sonderberater des Premierministers angeheuert hat, ist verschwunden. Und Jack Sparrow, besagter Sonderberater, ist nicht nur ein gewaltiger Intrigant, sondern gewissermaßen die graue Eminenz in der Downing Street, der  ausgerechnet Taverners Vorgänger, den glücklosen Claude Whelan, damit beauftragt, zum Verbleib seiner Mitarbeiterin zu recherchieren. Ihr letzter Anruf, so ste...

Detektive als Zeitreisende

 Der Titel von Elly Griffiths Kriminalroman "Manche Schuld vergeht nie" könnte auch der Motto der geheimen Ermittlungsarbeit sein, in der Alison Dawson arbeitet. Sie klären nicht nur cold cases auf, sie reisen dafür sogar in die Vergangenheit, dank der Erfindung einer exzentrisch-genialen italienischen Wissenschaftlerin. Und auch das Team selbst entspricht nicht so ganz der üblichen Zusammensetzung eines normalen Polizeireviers - Hacker, ein trockener Alkoholiker, und eben Alison, die mit 18 die Schule abbrach, mit 19 schwanger wurde, als Putzfrau arbeitete, schließlich doch studierte und zur Polizei ging.  Sohn Finn arbeitet zum Leidwesen seiner linken Mutter als persönlicher Assistent bei dem Tory-Justizminister Templeton, der die Einheit und speziell Alison gewissermaßen in eigener Sache anfordert: War sein Urgroßvater ein Frauenmörder und der Collectors Club, dem er angehörte, eine höchst sinistre Organisation?  Allison wird, in passender Kleidung und mit historischen...

Neue Fälle für Robert Kett

 In drei Büchern hat Alex Smith seinen Detective Inspector Robert Kett nach seiner entführten Frau Billie suchen und das Leben als alleinerziehender Vater dreier ausgesprochen lebhafter Töchter meistern lassen. In "Die Stimmen, die die dich rufen" ist die Familie wiedervereint, doch die äußeren und inneren Narben bei allen Beteiligten müssen noch verheilen.  Kett ist vom Dienst suspendiert, er fragt sich, ob seine Frau nach dem Erlebten ihm jemals wieder voll vertrauen wird, doch immerhin: sie lebt. Der geplante Urlaub der Familie im Wohnwagen des raubeinigen aber väterlichen DCI Clare soll die Familie wieder näher zusammenbringen, hofft Klett. Doch natürlich kommt alles mal wieder ganz anders, denn mehrere vermisste Teenager sorgen für Aufregung in der Wohnwagensiedlung. Schnell wird klar: Die Jugendlichen, die eine Clique bildeten, sind nicht ausgerissen. Sie wurden mit Hilfe eines Kassettenrekorders aus ihrem Zuhause gelockt. Der mutmaßliche Entführer wird gefunden - doch ...

Codes und Kryptovermögen

  Andere Senioren mögen Kreuzworträtsel lösen und Gedächtnistraining machen - das Quartett des Donnerstagsmordclub betätigt sich statt dessen als Codeknacker in Richard Osman´s "Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code." Von Ruhestand kann bei den mittlerweile immerhin über 80-Jährigen trotz scheinbar beschaulicher Seniorenresidenz wirklich keine Rede sein. Dabei hatte ich schon befürchtet, der vierte Band könnte so eine Art Schwanengesang sein. Doch weit gefehlt - auch wenn das Alter und seine Einschränkungen durchaus zu Einschränkungen führen und der Gedanke an die eigene Endlichkeit nie ganz weg - Joyce, Elisabeth, Ibrahim und Ron stellen sich auch weiter den Herausforderungen.  Im Fall von Joyce: Die Hochzeit ihrer Tochter. Endlich! Und sogar mit einem ausnehmend sympathischen Schwiegersohn! Im Fall von Ron: Seinen Schwiegersohn hat er ja noch nie sonderlich gemocht. Aber dass die Ehe seiner Tochter mit einem koksenden Kriminellen von Gewalt geprägt ist, das hat er ...

Spannender Abschluss der Detective Kett-Triologie

 Mit "Die Angst, die niemals endet" hat Alex Smith den Abschluss seiner Robert Kett-Triologie um einen Ermittler geschrieben, der die eigene Ehefrau sucht und dabei auch noch die Herausforderungen des Lebens als alleinerziehender Vater dreier lebhafter Töchter in einem nicht gerade familienfreundlichen Beruf meistern muss. Nachdem es in den ersten beiden Büchern vage Andeutungen auf den Mann gab, der hinter dem Verschwinden von Ketts Ehefrau steckt, gibt es nun eine erste Spur. Fünf Monate nach der Entführung findet sich eine DNA-Spur und das Telefon der Vermissten in einer Londoner Villa - aber auch Hinweise, dass in dem Haus Furchtbares passiert ist. Die Angst, mit der Kett seit fast einem halben Jahr lebt, dauert jedenfalls an, denn er kann nicht wissen, ob seine Frau lebt oder nicht. Der Autor gibt den Leser*innen einen Wissensvorsprung, ohne allerdings zu viel zu verraten. Denn der geheimnisvolle Pigman scheint den Ermittlern immer um eine Nasenlänge voraus zu sein. Wie ...

George Smileys Rückkehr

  Dafür, dass Nick Harkaway 1972 geboren ist, kann er in die Welt des Kalten Krieges und der Geheimdienste sehr glaubwürdig eintauchen. Mehr noch: Sein Spionageroman "Smiley" überzeugt mit Kontinuität, sprachlich und stilistisch. Denn Smiley, das ist natürlich George Smiley, die wohl berühmteste Romanfigur von John Le Carré. Vielleicht liegt es daran, dass Harkaway gewissermaßen mit Smiley-Extrakten beim Frühstück und Mittagessen aufwuchs. Er ist der jüngste Sohn des berühmten Autors (beide benutzen ein Pseudonym) und sein Roman ist nicht nur eine Hommage an den berühmten, vor wenigen Jahren gestorbenen Vater, sondern auch eine literarische Rückkehr in die Welt des Eisernen Vorhangs, in der Smiley zu Hause war. "Smiley" spielt in den frühen 60-er Jahren, nach "Der Spion, der aus der Kälte kam" und "Dame, König, As, Spion", was für Leser*innen von Le Carrés Romanen einen besonderen Reiz ausmachen dürfte. Denn einerseits nimmt der Roman Bezug auf b...

Packende Triologie um alleinerziehenden Ermittler

 Die Buchbeschreibung von "Ein Schrei, den niemand hört" von Alex Smith machte schon einmal neugierig: Ausgerechnet ein auf Vermisstenfälle spezialisierter Ermittler ist nun selbst betroffen: Robert Kletts Frau ist entführt worden, er weiß nicht, ob sie überhaupt noch lebt. Trotz all seines Spezialwissens kann er seinen liebsten Menschen nicht finden. Als ob das allein nicht schon belastend genug wäre, ist er unversehens alleinerziehender Vater, der für seine drei kleinen Töchter im Alter von 18 Monaten, drei und sieben Jahren, alle mit höchst unterschiedlichem Temperament Normalität wahren muss. In Norfolk, einer neuen Umgebung, soll Klett eigentlich auf andere Gedanken kommen und sich auf seine Kinder konzentrieren. Doch das spurlose Verschwinden zweier Mädchen lässt die angedachte Auszeit scheitern. Klett bietet der örtlichen Polizei seine Zusammenarbeit und Expertise an. Der örtliche Kripochef, Typ Grantler, ist davon zunächst einmal gar nicht angetan. Zum einen, weil er ...

Neuer Fall für Richard und Valérie

  Das hätte sich Filmhistoriker Richard Ainsworth nicht träumen können, seit er seine akademische Karriere gegen den Betrieb einer kleinen Frühstückspension in Frankreich eingetauscht hat: Ein  Filmteam ist angerückt, um einen historischen Film in der Region zu drehen. Cineast Richard ist begeistert, doch auch zusammen mit seiner Detektiv-Partnerin Valérie hat er mit den Filmleuten zu tun. Am Set gab es nämlich einige merkwürdige Vorfälle, eine junge Schauspielerin, die zudem eine Art Patentochter Valéries ist, wird bedroht. Das ungleiche Team soll sich um den Schutz auf dem Filmset kümmern. Als Security-Chef hat Richard schon bald viel Arbeit. Erst stirbt ein Komparse, dann kommt ein Schauspieler ums Leben. An eine natürliche Todesursache will Richard nicht glauben, so sehr der Produzent um eines reibungslosen Filmdrehs willen auf reinen Zufall pocht. Zwischen exzentrischen Darstellern, die sich teilweise als echte Ekelpakete herausstellen, einer plötzlichen Funktion als Pres...

Tod einer Wahrsagerin

 "Das Mörderarchiv" von Kristen Perrin war ein charmanter Cozy-Krimi, in dem die bislang erfolglose Krimischriftstellerin Annie sich als Hobby-Detektivin  betätigen musste, um an das Erbe ihrer Großtante zu kommen und deren Mord aufzuklären. Nun gibt es einen Folgeband - "Der Tod, der am Dienstag kommt". Annie ist mittlerweile Bewohnerin des stattlichen Herrenhauses ihrer Großtante, aber ihr Kriminalroman ist immer noch nicht vorangekommen. Liegt es am allgemeinen Verdruss Annies, die sich in der malerischen Kleinstadt Castle Knoll eher ungeliebt und außen vor vorkommt? Nicht ganz unschuldig dürfte das Mörderarchiv der Tante sein, in dem es nicht nur um Mord ging, sondern die Geheimnisse der Einwohner akribisch aufgeführt wurden. So was sorgt natürlich nicht unbedingt für entspannte Beziehungen. Als die Wahrsagerin, die einst der Großtante ihre Ermordung voraussagte und damit überhaupt erst den Anstoß zum Mörderarchiv gab, tot in Annies Gewächshaus gefunden wird, is...

Lebenslügen und Masken

Toxische Männlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Kriminalromane von Carla Kovach um DI Gina Harte in den britischen Midlands. Im nunmehr siebten Band der Reihe zeigt sich allerdings, dass körperliche und psychische Gewalt auch von Täterinnen ausgehen können. Zur düsteren Stimmung des Romans - mehrere Opfer werden lebendig in einem Sarg begraben - passt die Jahreszeit: Es ist Halloween, die Zeit der Geister, und viele stürzen sich nur zu gerne auf die Boulevard-Theorie von Gespenstern und alten Flüchen. Auf Aberglauben setzen Harte und ihre KollegInnen natürlich nicht, doch sie ahnen: Sie stehen in einem Wettlauf gegen die Zeit, als nach dem Tod eines Obdachlosen eine Frau vermisst wird. Auf den ersten Blick hatten die beiden nichts miteinander zu tun, doch die persönlichen Briefe, die Harte erhält, lassen auf einen Täter oder eine Täterin auf einem persönlichen Rachefeldzug schließen. Mehr noch: Der Briefschreiber weiß Dinge über Harte, die diese lieber unter Verschluss h...

Alte Freundschaft, alte Lügen

 Mit ihrem Thriller "Das Wochenende" liefert Hannah Richell eine überzeugende Mischung: Eine Gruppe von Freunden, in der alles alles übereinander zu wissen scheinen, die düstere Landschaft Cornwalls, ein einsamer Campingplatz auf einer sturmumtosten Landzunge, ein verschwundenes Kind und sehr viel Suspense. Denn schnell stellt sich heraus, dass eine 20 Jahre alte Freundschaft auch die Grundlage vieler Lügen und Geheimnisse sein kann. Mal ganz abgesehen von der bekannten Tatsache, dass sich in dieser Zeit Lebensumstände und Persönlichkeiten gewaltig auseinanderentwickeln können. Ist die alte Freundschaft da tatsächlich noch so viel wert wie zu Uni-Zeiten? Denn die Unterschiede zwischen den vier Paaren sind mittlerweile beträchtlich:  Die Architekten Max und Annie, Adoptiveltern eines zwölfjährigen Sohnes mit allerlei emotionalem Gepäck aus einer Kindheit voller körperlicher und emotionaler Vernachlässigung, haben London den Rücken gekehrt und in Cornwall ein Glamping-Ökoresort...

Mordermittlung per Privatjet

  Wer die betagten Ermittler aus Richard Osmans "Donnerstagsmordklub" ins Leser-Herz geschlossen hat, wird auch die neue Reihe des britischen Autors mögen. Auch der Auftaktroman "Wir finden Mörder" ist ein warmherziger Cozy-Krimi, der unterhaltsam ist und eine ordentliche Prise britischen Humors enthält. In der neuen Reihe geht es um die toughe Personenschützerin Amy und ihren Schwiegervater, eigentlich zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die sich aber herzlich zugetan sind. Amy braucht das Adrenalin ihres Jobs, sesshaft werden möchte sie noch lange nicht und das klassische Familienleben ist auch nicht ihr Ding. Da ihr Ehemann als Geschäftsmann um den Globus jettet, sehen die beiden sich zwar selten, die long distance-Beziehung funktioniert dennoch gut.  Schwiegervater Steve dagegen, ehemaliger Polizist, verwitwet und nun als Privatdetektiv auf einem englischen Dorf zuständig für das Finden verlorener Haustiere oder Ermittlungen kleiner Betrügereien, will noch ...

Tod im Teesalon

  Mit "Ein mysteriöser Gast" von Nita Prose gibt es ein Wiedersehen - in diesem Fall ein Wiederhören - mit Molly Gray und dem fünf Sterne Boutique-Hotel Grand Regency. Und der Genuss ist gleich doppelt, denn in der Hörbuchversion gibt erneut Anna Thalbach Molly ihre Stimme und besticht mit ihrer unverwechselbaren Stimme und großartigen Interpretation der liebenswerten, aber eben auch etwas besonderen Molly. Seit ihrem ersten Fall hat Molly Karriere gemacht - sie ist jetzt Chefzimmermädchen und nimmt diese Aufgabe wie alles überaus ernst, ist ihr der Zustand allerhöchster Perfektion und Sauberkeit von Kindheit an ans Herz gelegt worden. Ihr zweiter Fall führt sie auch zurück in die eigene Vergangenheit, denn ein gefeierter Kriminalautor stirbt in dem von Molly liebevoll hergerichteten Teesalon des Grand Regency. Diesmal ist es nicht Molly, sondern ihr schüchternes Lehrmädchen, das unter Verdacht gerät, denn der Autor wurde offensichtlich vergiftet. Es versteht sich, dass die n...

Wer macht Jagd auf die Slow Horses?

  Wenn Mick Herron seine "lahmen Gäule" in ein neues Rennen schickt, ist eines klar: spannende Unterhaltung gewürzt mit schwarzem britischen Humor und intriganten Politikern, die irgendwie sehr an tatsächlich existierende Persönlichkeiten erinnern, ist garantiert. Und man sollte die einzelnen "slow Horses" besser nicht zu lieb gewinnen, denn schon in den vorangegangenen Bänden um die Parias des britischen Inlandgeheimdienstes MI5 war die Überlebensquote nicht so toll.  Niemand dürfe sich sicher fühlen, bestätigte Autor Herron denn auch im Interview. Vielleicht mit Ausnahme von Jackson Lamb, dem ständig missgelauntem Herrn des "Slough House" - soviel Zynismus, politische Unkorrektheit und reptilienartige Verschlagenheit ist schließlich schwer zu ersetzen. Wobei auch Diana Taverner, Oberintrigantin und endlich auch oberste Chefin beim MI 5, ihm in letzterem kaum nachsteht. In "Slough House" werden treue Leser*innen allerdings ein paar Namen aus der...

Ein sehr persönlicher Fall für DI Gina Harte

 DI Gina Harte ist nicht so ganz die toughe Polizistin, die viele in ihr sehen. Nach einer durch Gewalt und Missbrauch geprägten Ehe und einem sorgfältig gehüteten Geheimnis schleppt sie auch Jahre später noch Trauma und Schuldgefühle mit sich herum. Im Kriminalroma "Ihr dunklese Herz" von Carla Kovach triggert  Hartes  neuester Fall  sie gleich mehrfach.  Zum einen ist eine Frau verschwunden, die mit ihrer Scheidung einem einengenden und kontrollierenden Ehemann entkommen will. Zum anderen erinnert die Mutter der Vermissten Gina an ihre eigene, früh verstorbene Mutter - vom Äußeren bis hin zu Gesten. Sie fühlt sich immer noch schuldig, dass sie aus Angst vor ihrem Ehemann der Mutter nicht in ihren letzten Stunden beigestanden hat. Für die fremde, ihrer Mutter so ähnliche Frau, will sie sich nun besonders bemühen. Doch Harte und ihre Kollegen ahnen - die Familie hütet einige Geheimnisse. Zwischen der Mutter und der älteren Tochter, die wegen ihrer Schulden wiede...

Ernstes Thema mit britischem Humor

 Femizide, sogenannte Ehrenmorde, physische und psychische Gewalt oft über Jahre Hinweg - Wenn es um Gewalt in einer Beziehung geht, sind die Täter fast immer männlich, die Opfer ihre Ehefrauen, Partnerinnen, Töchter. Die Statistiken von Organisationen wie Terre des femmes sind ernüchternd und schockierend. Damit ein so ernstes  und hartes Thema Gegenstand eines durchaus humorvollen Kriminalromans ist, braucht es vermutlich den berühmten schwarzen britischen Humor - und genau das funktioniert in "Ein Mann zum Vergraben" von Alexia Casale ziemlich gut. Es war ein Unfall. Als Ehemann Jim sie in einem seiner Wutanfälle einmal wieder mit kochendheißem Wasser übergießen will, greift die englische Hausfrau Sally, Mutter zweier erwachsener Kinder, zum erstbesten Gegenstand, um ihn abzuwehren. Dass die gusseiserne Pfanne, ein Erbstück ihrer Oma, derart fatale Wirkung hat, merkt sie erst, als Jim tot auf dem Küchenboden liegt. Nach einem Schaumbad und einer Eis- und Kuchen-Orgie ringt...

Ehefrau unter Verdacht

 Ein brutal ermordeter Mann, eine Ehefrau mit Filmriss, Alkoholproblem und blutigem Kleid: Für manchen Ermittler ein klarer Fall. Der sensible Kriminalbeamte Dan Riley dagegen will in "Das Ehepaar gegenüber" von Anna-Lou Weatherly nicht das Offensichtliche glauben. Ja, der Tote hatte die Scheidung gewollt, hatte mit seiner Geliebten ein Kind und ja, die Ehefrau hatte ihm auf einer Nachbarschaftsparty betrunken eine Szene gemacht und Äußerungen gemacht, die durchaus als Morddrohungen gelten könnten. Einerseits. Andererseits: Die Frau wirkt magersüchtig, ist buchstäblich eine "halbe Portion" - wie soll sie die Kraft aufgebracht haben, die brachiale Tat zu begehen? Leser*innen wissen schon früh: In diesem Fall geht es auch um toxische Männlichkeit, um emotionale Abhängigkeit, um einen Narzissten, der Frauen nur als Spielzeug betrachtet hatte. Laura, die unter Verdacht stehende Ehefrau, kann sich an nichts erinnern, Wodka, Rotwein und Prosecco sei Dank. Doch sie ist sic...

Wer hat Hass auf Seenotretter?

 Ben Kitto, der Protagonist von Kate Penroses Serie über einen Polizisten auf den Scilly-Inseln, ist eigentlich bereits gut ausgelastet - nicht nur durch den Polizistenjob. Seit ein paar Monaten sorgt Söhnchen Noah für Trubel und kurze Nächte, die Hochzeitsvorbereitungen nähern sich dem Höhepunkt. Trotzdem findet Kitto noch Zeit, sich bei der Seenotrettung zu engagieren - vielleicht auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung, schließlich ist sein Vater auf seinem Trawler im Sturm gesunken, als Kitto noch ein Kind war. Doch ausgerechnet die Seenotretter scheinen im Visier eines Unbekannten zu sein. Nicht nur bekommen mehrere Mitglieder der Gruppe seltsame Botschaften mit Galgenmännchen und Shakespeare-Zitaten. Ein Mitglied, das erst wenige Monate zuvor mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet wurde und Heldenstatus genießt, ist erst verschwunden und wird Tage später tot gefunden. Dann wird eine weitere Retterin vermisst. Irgend jemand, so scheint es, hat einen gewaltigen Hass auf die See...

Bildungsreise mit Leiche

 "Mord auf der Kreuzfahrt" von Nicholas Blake wirkt wie eine Zeitreise in eine Gesellschaft, die es so nicht mehr gibt und in der die britische upper class, abgesehen von den lästigen Ausländern an Bord - Deutsche mit Rucksäcken, Franzosen, die im Salon plappernde Rudelbildung betreiben und Italiener, die jeder gutaussehenden Frau schöne Augen machen - noch unter sich auf Reisen ist. Kein Wunder: das Buch wurde erstmals in den 1950-er Jahren veröffentlicht, und die anderen moralischen Standards jener Zeit schimmern durch, egal ob es um Homosexualität oder die skandalöse Frage gibt, ob ein Paar womöglich in Sünde, also unverheiratet zusammenlebt. Wobei das erotischen Eskapaden, die allerdings nicht detailgenau ausgebreitet werden, offensichtlich nicht im Wege steht. Aber getrennte Kabinen für Meisterdetektiv Nigel Strangeways und seine Freundin, die Bildhauerin Clare Massinger sind auf der Reise Anstandspflicht. Getrennt schlafen, aber gemeinsam ermitteln und über die lieben M...