Der Titel von Elly Griffiths Kriminalroman "Manche Schuld vergeht nie" könnte auch der Motto der geheimen Ermittlungsarbeit sein, in der Alison Dawson arbeitet. Sie klären nicht nur cold cases auf, sie reisen dafür sogar in die Vergangenheit, dank der Erfindung einer exzentrisch-genialen italienischen Wissenschaftlerin. Und auch das Team selbst entspricht nicht so ganz der üblichen Zusammensetzung eines normalen Polizeireviers - Hacker, ein trockener Alkoholiker, und eben Alison, die mit 18 die Schule abbrach, mit 19 schwanger wurde, als Putzfrau arbeitete, schließlich doch studierte und zur Polizei ging.
Sohn Finn arbeitet zum Leidwesen seiner linken Mutter als persönlicher Assistent bei dem Tory-Justizminister Templeton, der die Einheit und speziell Alison gewissermaßen in eigener Sache anfordert: War sein Urgroßvater ein Frauenmörder und der Collectors Club, dem er angehörte, eine höchst sinistre Organisation?
Allison wird, in passender Kleidung und mit historischen Münzen ins Jahr 1850 geschickt. Bei den bisherigen Zeitreisen waren sie und ihre Kollegen stets nur kurz unterwegs und für die Menschen vor Ort nicht sichtbar. Doch dank der Fortentwicklung der Wissenschaftlerin wird sich Alison nun auch körperlich materialisieren und soll einen ganzen Tag lang in der Vergangenheit bleiben.
Tatsächlich trifft Alison gleich nach ihrer Ankunft nicht nur auf Templetons Vorfahren, sondern auch auf eine Leiche. Der Mörder steht allerdings schon fest und ist auf der Flucht. Mit dem praktischen Vorteil für Alison, dass ein Zimmer in dem Haus, das Templeton als Pension an Künstler vermietet, frei ist. Das viktorianische Zeitalter ist für Alison ein Schock: Keine Heizung und kein Bad, dafür aber ein Nachttopf, der morgens in der Latrine im Hof entleert werden muss! Die Mitbewohner exzentrisch, teils auch verdächtig und das Essen stark gewöhnungsbedürftig. Einen Tag ließe sich das ja noch durchhalten, doch als Alison nach 24 Stunden durch die Pforte treten will, wie die Zeitreisen im Team genant werden, ist diese verschlossen.
Alison hängt in der Vergangenheit fest, doch in der Gegenwart ist es nicht weniger dramatisch: Finn steht unter Mordverdacht und braucht nicht nur mütterliche Unterstützung, sondern auch die Ermittlungsfähigkeiten seiner Mutter, da die Polizei nicht nach weiteren Tatverdächtigen zu suchen scheint.
Elly Griffith hat einen Krimi der etwas anderen Art mit exzentrisch-sympathischen Protagonisten und einer guten Portion britischen Humors geschrieben. Alison macht überraschende Entdeckungen, die eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffen und die Frage aufwerfen, ob nicht noch weitere Zeitreise-Ermittlungen folgen könnten.
Elly Griffith, Manche Schuld vergeht nie
Klett-Cotta 2025
352 Seiten, 17 Euro
9783608502954
Comments
Post a Comment