Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich den ersten Teil von Veronika Ruschs historischer Krimi-Reihe um Josephine Baker gelesen habe. Da mich das Buch voll überzeugt hat, war ich ausgesprochen angetan, dass nach so kurzer Zeit bereits Band 2 erschienen ist. Um es gleich vorweg zu sagen - meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, die Fortsetzung der Geschichte um den Berliner Boxer Tristan Nowack, der nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs seine adelige Identität abgelegt hat, um die berühmte Varieté-Künstlerin Baker, den "roten Grafen" und Madam Fanny und ihre leichten Mädchen ist gelungen.
Auch wenn die Handlung immer wieder ins Berliner Scheunenviertel wechselt, spielt der Großteil von "Die Spur der Grausamkeit" in Wien, etwa zwei Jahre nach dem ersten Buch und damit Ende der 1920-er Jahre. Die nationalistischen und faschistischen Strömungen machen sich auch in Österreich bemerkbar, wo Tristan die Premiere von Josephine Baker´s Gastspiel besuchen will. Die Karte wurde ihm nach Berlin zugestellt - etwa ein Versuch der Sängerin, wieder Kontakt aufzunehmen. Auch sein Onkel, der Graf, ist zum Geburtstag eines Freundes in die Donaumetropole gereist und als Tristan notgedrungen ebenfalls der Einladung folgen muss, wartet mehr als eine Überraschung auf ihn.
Vor allem aber schlägt Josephine mit Beginn ihrer Ankunft Protest und Demonstrationen bigotter und rassistischer Massen entgegen, die von einem fanatischen Priester angeführt werden. Tristan fürchtet, dass das Leben der Sängerin immer noch oder schon wieder bedroht ist. Doch er muss sich nicht nur um sie sorgen, als sein Onkel unter Mordverdacht gerät und verhaftet wird. Bei seinen Nachforschungen deckt Tristan noch ganz andere Umtriebe auf.
Manche Details, die im ersten Band noch als eher unnötige Längen erschienen, machen nun Sinn und erklären Zusammenhänge. Zugleich enthüllt die Autorin einige Hinweise, die im ersten Buch nur angedeutet waren und im dritten Band dem eigentlichen Höhepunkt eines Plots entgegensteuern dürften, der ein wenig an die Geschichte von Kain und Abel erinnert.
Politisch-zeitgeistiges und persönliches sind auch in diesem Band wieder auf gelungene Weise verwoben und auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Milieus macht erneut einen Reiz des Buches aus. Es ist sicherlich ein Vorteil, den ersten Band zu kennen, da immer wieder auf Ereignisse dieses Buchs zurückgegriffen wird. Atmosphärisch dicht und mit einer Andeutung von "Der dritte Mann" macht dieses Buch neugierig auf den Abschluss der Triologie, denn auch wenn am Ende manches Rätsel gelöst ist, ist klar: Das große Finale birgt reichlich Stoff für explosives Drama.
Veronika Rusch, Die Spur der Grausamkeit
Piper, 2021
496 Seiten , 12,99
978-3-492-06242-8
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