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Intrigen in der Verlagsbranche - In ewiger Freundschaft

 Von wegen ewige Freundschaft! Eine seit Schulzeiten bestehende Freundesclique teilt in Nle Neuhaus zehntem Taunuskrimi so manches Geheimnis und neigt zu Intrigen, die auch vor den Freunden nicht haltmachen.  Liegt es daran, dass die Schöngeister und Intellektuellen von einst in der Verlagsbranche gelandet sind und es nicht allein um Literatur, sondern auch harten kommerziellen Druck geht?

Taunus-Ermittlerin Pia Sander will eigentlich nur ihrem Ex-Mann einen nicht ganz uneigennützigen Freundschaftsdienst erweisen. Der ist nämlich unter die Kriminalschriftsteller gegangen und hat nun schon das zweite Buch über einen Fall geschrieben, mit dem er als Leiter der Frankfurter Rechtsmedizin befasst war und in dem Eingeweihte sehr leicht Parallelen zu Pia und ihren Kollegen erkennen. 

Das allein könnte ja noch der Eitelkeit schmeicheln, doch dass der Pathologe sein zweites Buch ausgerechnet "in Liebe" Pia widmete, hat deren jetzigen Ehemann nicht gerade begeistert.  Henning Kirchhoff soll den Verlag die Widmung schleunigst ändern lassen - nur deshalb hat sich Pia Sander bereiterklärt, mit der Agentin ihres Ex-Mannes zum Haus einer Freundin der Literaturexpertin zu fahren, die nicht zu einer Verabredung erschienen ist.

Doch schnell ist Pia davon überzeugt, dass die Frau, die lange das Programm eines renommierten Verlags herausgegeben hatte und kürzlich im Streit um die künftige Ausrichtung des Verlags entlassen wurde, nicht freiwillig verschwunden ist. Die schlimmsten Befürchtungen werden bestätigt, als in einer Schlucht eine Frauenleiche gefunden wird. Nur: wer war´s? Schnell präsentieren sich gleich eine ganze Reihe von Verdächtigen und Motiven.

Eifersucht und Konkurrenz, Neid und enttäuschte Liebe, ein Plagiatsvorwurf und ein Schriftsteller mit Schreibblockade, Familienfehden und Geheimnisse eines 30 Jahre zurückliegenden Sommers. Die alte Freundesclique und gleich mehrere Generationen der Verlegerfamilie geben sich im neuen Neuhaus-Krimi ein Stelldichein und parallel zu den Ermittlern stellt auch eine up and coming Juniorlektorin eigene Ermittlungen an.

Sie habe in ihren Büchern immer ein großes Personenangebot, schreibt Nele Neuhaus in ihrem Nachwort, und das ist im Fall von "In ewiger Freundschaft" schon fast zuviel des Guten. Denn mindestens ebenso viel Raum wie die eigentlichen Ermittlungen nehmen gleich mehrere Stränge von Beziehungsproblemen ein. Wer die vorangegangenen Taunuskrimis kennt, wundert sich nicht, dass auch Pias adeliger Kollege von Bodenstein mal wieder eine Ehekrise erleben muss und von privaten Problemen schwer gebeutelt wird.  Mitunter, so scheint es, geht es mehr um erweiterte Patchworkfamilien und ihre Herausforderungen als um Mord und Totschlag.

Das ist allerdings wohl genau die Mischung, die Nele Neuhaus seit Jahren eine treue Fangemeinde beschert. Für meinen persönlichen Geschmack wäre hier weniger mehr gewesen. Die Lösung des eigentlichen Falls kam für mich dann nicht sonderlich überraschend. Deshalb hätte ich es besser gefunden, wenn die Autorin mehr in den eigentlichen Plot investiert hätte als in das ganze Drumherum inklusive einer für den Fall völlig überflüssigen Liebesgeschichte. Hier hat Neuhaus die Handlung leider unnötig zerfasert. Spannende Unterhaltung mit einigen amüsanten Elementen bietet "In ewiger Freundschaft" allemal .

Nele Neuhaus, In ewiger Freundschaft

Ullstein-Verlag, 2021

528 Seiten, 24,99 Euro

 978-3-550-08104-0

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