Ganz ohne Mafia geht es auch in Paolo Rivas Cozy-Krimi "Flüssiges Gold" nicht. Doch auch wenn die Arme der "ehrenwerten Gesellschaft" weit reichen - die Toskana ist nicht Neapel, Bari oder Sizilien. Und Dorfpolizist Luca, alleinerziehender Vater und trotz einer Vergangenheit als Ermittler gegen das Organisierte Verbrechen zufrieden mit dem ruhigen Lauf der Dinge vor Ort, würde sich am liebsten den kleinen Problemen widmen - etwa der Frage, was aus den fehlenden Buchstaben des Ortsschildes geworden ist. Um so mehr Zeit bleibt schließlich, sich der kleinen Tochter und den drei Eseln zu widmen, einen Espresso in de Kaffeebar zu trinken, aus dem Dorfklatsch erfahren, wo es womöglich Probleme gibt.
Doch dann bricht die Gewalt in die Idylle, Schüsse knallen über den Marktplatz und im Ziel der Anschläge stehen Olivenbauern. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als ein anderer Olivenbauer nach jahrelangem Koma Zeichen zeigt, er könne vielleicht doch aufwachen. Doch war er tatsächlich das Opfer eines Unfalls oder Schlaganfalls, oder hat jemand nachgeholfen? Könnte es bei der Gewinnung von Olivenöl womöglich nicht mit rechten Dingen zugehen?
Lucas Ermittlungen werden durch Amtshilfe erschwert. Denn die Staatsanwaältin, die aus Florenz anreist, ist von einer geradezu einschüchternden Energie und mit dem eher gemächlichen aber stetigem Stil Lucas nicht wirklich kompatibel. Da ihre forsche Art bei den Dorfbewohnern nicht wirklich gut ankommt, müssen sich die beiden erst einmal zusammenraufen, wobei gemeinsames Eselfüttern und gutes toskanisches Essen so manche Spannung auflöst.
Mit "flüssiges Gold" hat Paolo Riva einen Wohlfühlkrimi mit viel Lokalkolorit geschrieben, bei dem beim Lesen gleich Apettit auf die Aromen der italienischen Küche, auf perfekte Spaghetti und den Genuss eines in Olivenöl gestippten Stücks Brot aufkommt. Unterhaltsame Spannung für Italienurlauber und Daheimgebliebene.
Paolo Riva, Flüssiges Gold
Hoffmann & Campe 2022
304 Seiten, 16 Euro
978-3-455-01329-0
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