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Mörderischer Feuerteufel

  Wenn das mal nicht brandaktuell ist nach einem heißen Sommer, in dem in Europa einmal wieder vielerorts die Wälder brannten. Die Klimakrise spielt in Pernilla Ericsons Kriminalroman "Im Feuer" im Hintergrund immer wieder eine Rolle. Da es ein Krimi ist, ist allerdings auch so mancher Brand und damit zusammenhängende Todesfall auf menschliches Zündeln zurückzuführen. Dennoch werden Erderwärmung, Klimaveränderunge und das Dauerschwitzen selbst im schwedischen Sommer immer wieder thematisiert.

Die Polizistin Lilly Hed hatte in Stockholm schon große Fälle bearbeitet. Im beschaulichen Nynäshamn ist die Verwunderung bei den Kollegen an der Schärenküste groß, dass sich die Ermittlerin ausgerechnet in die vergleichsweise unspektakuläre ländliche Idylle versetzen ließ, wo Schwerkriminalität normalerweise ein Fremdwort ist. Zumal Lilly sich über ihre Gründe und ihr Privatleben ausschweigt. Auch die Leser wissen zunächst nur, dass es einen Vorfall gegeben haben muss, der die Polizistin ausgebrannt oder traumatisiert zurückgelassen hat - ein Hinweis sind die Schlaftabletten, die sie immer braucht.

Als ein Mann in seinem Haus bei einem Brand ums Leben kommt, wird zunächst ein Suizid nicht ausgeschlossen - es gab Eheprobleme, wie auch bei einem zweiten Vorfall. Doch dann häufen sich die Anzeichen für Fremdverschulden. Daneben gibt es aber auch genügend "natürliche" Brände, die Menschen und Grundstücke gefährden und die Polizisten wie auch die Feuerwehr auf Trab halten. Hat ein psychische kranker Mann, der vor Jahren in der Gegend Brände gelegt hat, die Hand im Spiel?` Gibt es ein verbindendes Element zwischen den Toten? Je mehr Lilli in der Vergangenheit wühlt, desto mehr Rauch von neuen Feuern scheint ihre Sicht zu trüben. Als zunächst eher irritierende Ablenkung entpuppt sich auch der sympathische Feuerwehrmann Jesper,  der Lillys Furcht vor Nähe gewaltig auf die Probe stellt.

Hinzu kommt eine zweite Erzählebene, das Schicksal eines Menschen, der von einer Gruppe Jungen als Monster verhöhnt, geqüält und misshandelt wird, der schließlich seine Wohnung in einem Feuer verliert. Übt er etwa Rache? Ist er körperlich dazu überhaupt imstande? Je mehr Lilly herausfindet, desto größer wird auch ihr Risiko, denn wer immer die Brände gelegt hat, will das Geheimnis unbedingt wahren....

Ebenso wie Lilly müssen die Leser lange in der Asche stochern. Der Plot sorgt für Überraschungen und ist spannend aufgebaut, wobei ich schon so eine leise Ahnung hatte, wer hinter all dem steckem könnte. In der Auflösung kommt dann alles passend zusammen. Spannend geschrieben und mit dramatischen Brandszenen, die dafür sorgen, dass einem beim Lesen ordentlich eingeheizt wird. Die Protagonisten sind sympathisch und glaubwürdig. Demnächst mehr?


Pernilla Ericson, Im Feuer

Fischer Verlage, 2022

400 Seiten, 16 Euro

978-3-651-00109-1

 

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