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Undercover auf den Schären

 Der Titel "Still ist die Nacht" von Sandra Aslund mag - gerade zu dieser Jahreszeit - eher weihnachtlich klingen, doch weit gefehlt: In ihrem zweiten Fall ermittelt die Stockholmer Kriminalbeamtin Maya zur Mittsommerzeit auf einer kleinen Schäreninsel. Dabei war alles ganz anders geplant: Maya wollte an einem Yoga-Retreat ihrer Freundin Emely teilnehmen, um nach einer Woche tiefenentspannt zur Arneot zurückzukehren.

Doch weit gefehlt: Nach einer lebhaften Mittsommernacht wird der Vermieter des Veranstaltungsortes ermordet aufgefunden. Es bleibt nicht die einzige Leiche. Maya überredet ihren Kollegen Per, dass sie gewissermaßen undercover ermittelt. Dann zieht ein Sturm auf - und Insulaner wie Yogis sind von der Außenwelt abgeschnitten. Mit der Gewissheit: Auch der Mörder oder die Mörderin ist unter ihnen. Misstrauen, Paranoia und heftige Gefühlsausbrüche scheinen da unvermeidlich.

Eine hübsche kleine Schäreninsel gewissermaßen als locked room mystery, die Animositäten zwischen Einheimischen und Yogaleuten, die gewissermaßen als Vorhut unerwünschter Gentrifizierung gesehen werden - das hat mich an diesem Schwedenkrimi einer deutschen Autorin gereizt. Gut gefallen hat mir die Schilderung der Insel  und ihrer Bewohner.

Schwerer habe ich mir mit der Protagonistin getan, die als Polizistin in ihrem Vorgehen und ihrer Art für mich einfach nicht glaubwürdig ist, recht naiv reagiert und obendrein die lebenslange Freundschaft mit Emely in Frage stellt, als die erwähnt, dass sie vor 20 Jahren Mayas Mutter knutschend mit dem Nachbarn gesehen hat und sich fragte, ob die beiden ein Verhältnis hatten. Dass Maya hier den absoluten Vertrauensbruch Emelys sieht, über den sie nicht hinwegkommt - das scheint mir eine völlig überzogene, pubertäre und unreife Situation. Mit dieser Ermittlerin bin ich einfach nicht warm geworden.


Sandra Aslund, Still ist die Nacht

Ullstein 2024

320 Seiten, 12, 99

9783548068220

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