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Die Leiche unterm Vogelnest

 Vogelbeobachter - auf neudeutsch birder - stehen ja wegen ihres Hobbys im Ruf, womöglich ein bißchen kauzig zu sein. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel" trifft das weitgehend zu. Altphilologin Katja ist zwar durchorganisiert und hat jederzeit ein passendes lateinisches Zitat parat, aber Sozialkompetenz gehört nicht zu ihren Stärken. Ist es da ein Wunder, dass ihre beste Freundin ein Huhn ist? Der grummelige Rentner Harald, einst Forensiker, hadert ganz generell mit der modernen Zeit und ist ein ziemlicher Messie.Sabine dagegen überfordert die  übrigen Birder in bayrischen Traunstein mitunter mit ihrer mütterlichen Art, obwohl sie mit einer pflegebedürftigen Mutter und einem pubertierenden Sohn schon ziemlich ausgelastet ist. Thilo, der jüngste im Bunde, ist unter die Birder gegangen, weil er hofft, so das Interesse einer klimabewegten jungen Frau zu gewinnen, in die er sich aus der Ferne verknallt hat. 

Und dann ist da noch Frank, über den weder die anderen Birder noch die Leser*innen erst einmal viel wissen. Frank ist nämlich tot, die Hobby-Ornithologen finden seine Leiche unweit eines Braunkehlchen-Nestes. Unfall, schlussfolgert der Polizist, der den Fall aufnimmt. Der Mann ist offenbar von einem Baum gefallen und hat sich unglücklich den Schädel verletzt.

Für die übrigen Hobby-Ornithologen hingegen ist dieses Szenario undenkbar. Im Baum war ein Nest, niemals hätte Frank das Brutpaar gestört, indem er auf den Baum klettern würde. Und auch den seltenen Braunkehlchen wäre er als gewissenhafter Birder nie so dicht an die Federn gerückt. Nein, mit diesem Todesfall stimmt etwas nicht. Der Verdacht erhärtet sich, als die vier erfahren, dass Frank Staatsanwalt war und gerade einen großen Fall um Hehlerei, Einbruchdiebstahl und Mord bearbeitete. Doch auch in seinem Privatleben gibt es mögliche Tatmotive. So unterschiedlich die vier verbliebenen Birder auch sind: Nun müssen sie sich als Hobbydetektive zusammenraufen und angesichts der vor ihnen stehenden Aufgaben öfter über den eigenen Schatten springen.

Täuber setzt in "Schräge Vögel" mehr auf Humor als auf Spannug, mehr auf skurrile Protagonisten als auf durchgehende Logik. Das Buch lebt von den sehr unterschiedlichen Charakteren, die an neuen Aufgaben wachsen und sich auch menschlich weiterentwickeln. Trotz mancher Übertreibung vergnüglich zu lesen. Dass jedes Kapitel mit einem Vogelsprichwort beginnt, ist da nur logisch.

Anna Täuber, schräge Vögel

Fischer Scherz 2025

448 Seiten, 17 Euro

9783651001374


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