In drei Büchern hat Alex Smith seinen Detective Inspector Robert Kett nach seiner entführten Frau Billie suchen und das Leben als alleinerziehender Vater dreier ausgesprochen lebhafter Töchter meistern lassen. In "Die Stimmen, die die dich rufen" ist die Familie wiedervereint, doch die äußeren und inneren Narben bei allen Beteiligten müssen noch verheilen.
Kett ist vom Dienst suspendiert, er fragt sich, ob seine Frau nach dem Erlebten ihm jemals wieder voll vertrauen wird, doch immerhin: sie lebt. Der geplante Urlaub der Familie im Wohnwagen des raubeinigen aber väterlichen DCI Clare soll die Familie wieder näher zusammenbringen, hofft Klett. Doch natürlich kommt alles mal wieder ganz anders, denn mehrere vermisste Teenager sorgen für Aufregung in der Wohnwagensiedlung.
Schnell wird klar: Die Jugendlichen, die eine Clique bildeten, sind nicht ausgerissen. Sie wurden mit Hilfe eines Kassettenrekorders aus ihrem Zuhause gelockt. Der mutmaßliche Entführer wird gefunden - doch er ist tot. Und Kett und den Ermittlern läuft die Zeit davon.
Nachdem die vorangegangenen drei Bände der Reihe Kett auch ganz persönlich betrafen, kann er sich diesmal stärker auf den Vermisstenfall konzentrieren, auch wenn die Suche der Familie nach einer Rückkehr zu Normalität für die Rahmenhandlung weiterhin eine Rolle spielt. Hatte der Detective Inspector zuvor mit Serienmördern und Entführern zu tun, hat sein neuer Fall einen besonderen Twist, der hier nicht verraten werden soll.
********
Dies ist aber nicht das Einzige, was über die Fälle von Robert Kett zu lesen ist. Im nunmehr fünften Band, "Die Spuren, die sich verlieren", sieht es einmal mehr düster für Kett aus. Denn die von ihm überführten Kriminellen werden ermordet - und es gibt starke Hinweise, die auf Kett als Täter beziehungsweise Anstifter deuten.
So deutlich sind dieses Hinweise, dass selbst sein altes Team ins Zweifeln gerät. Eine weitere Schwierigkeit - Kett ist aus dem Polizeidienst entlassen worden. Um seinen Namen rein zu waschen, unterstützt er DCI Clare und die übrigen Kolleginnen und Kollegen bei ihren Ermittlungen. Doch denen fällt es immer schwerer, ihm noch zu vertrauen. Dass alle ihre Namen, nicht aber Ketts, auf einer Todesliste auftauchen, macht es nicht leichter.
Doch vermutlich hätte es angesichts Ketts Vorgehen in den vorangegangenen Bänden ohnehin keinen Unterschied gemacht - er versucht einmal mehr im Alleingang, seinen Namen rein zu waschen und den oder die eigentlichen Täter zu finden. Kett vermutet, dass der Verbrecherring noch viel mächtigere Hintermänner hat, die nun alle Mitwisser und Zeugen verschwinden lassen wollen. Dabei soll er als Sündenbock dienen.
Smith präsentiert einmal mehr einen spannenden Thriller, aber das Strickmuster wird langsam alt: Der einsame (Ex-)Polizist, der allein gegen das Böse vorgeht und dabei furchtbar leiden muss. Das hat irgendwie etwas masochistisches an sich, vor allem, da Kett eigentlich auf wohlwollende Ermittler-Kolleg*innen bauen könnte. Aber nein, es muss ganz dramatisch für Kett werden, der einfach nicht lernen kann, dass Teamwork keine schlechte Sache ist. Also neue Blessuren, neues Leid. Vielleicht mag ja der Autor seinen Protagonisten quälen, aber zum fünften Mal in Folge ist es einfach zu vorhersehbar und man ahnt schon - es gibt einen sechsten Band, in dem es wieder knüppeldick für Kett kommen dürfte.
Alex Smith, Die Stimmen, die dich rufen
Rororo 2025
352 S. 14 Euro
9783499017681
Alex Smith, Die Spuren, die sich verlieren
Rororo 2025
336 Seiten, 14 Euro
9783499017698
Comments
Post a Comment