In so einer Umgebunmg hat der britische Krimi-Autor Peter James seinen Superintendent Roy Grace von der Polizei von Brighton noch nie ermitteln lassen: "Der Tag des toten Falken" führt den Detektiv nicht etwa in ein Vogelschutzgebiet, sondern in den Buckingham Palace, Teestunde mit King und Queen inklusive.
Eigentlich ist der Palast außerhalb Graces südenglischem Einsatzgebiet - doch als in einem Tunnel auf der Fahrt nach Brighton der royale Zug entgleist und wenig später Sir Peregrin, Provatsekretär von König und Königin, von der Kugel eines Scharfschützen tödlich getroffen wird, ist es Grace, der den folgenden Großeinsatz leitet. Für die meisten ist die Sache klar: Königin Camilla ist auf dem Weg zu einem Charity-Termin gerade noch einem Attentat entkommen und schwebt noch immer in höchster Gefahr.
Doch Grace hat nach der Beratung mit einem Ballistik-Experten schon schnell Zweifel. Der unbekannte Schütze hat sicg offenbar penibel vorbereitet und dürfte entweder eine militärische Ausbildung gehabt haben oder auf andere Weise Erfahrungen als Präzisionsschütze über große Entfernungen - in diesem Fall 300 Metern - gesammelt haben. So jemand schießt nicht einfach daneben, wenn Queen und Privatsekretär Zeugenaussagen zufolge eineinhalb Meter voneinander entfernt standen. Oder er vollendet den Job, vor allem, da er noch vier Schuss Munition in der Waffe hatte.
Doch welches Motiv könnte hinter einem Mord an Sir Peregrin stecken? Grace muss gleich mehrere Widerstände überwinden: König Charles hält zunächst wenig von Graces Theorie und sieht seine Frau weiterhin in höchster Gefahr. Ein ehrgeiziger Kollege der Metropolitan Police will die Ermittlungen an sich reißen und versucht Grace im Palast schlecht zu reden. Und bei den Ermittlungen im Palast verwirren nicht nur Baustellen und ein Gewirr von Gängen und Korridoren.
James gibt den Leser*innen einen Informationsvorsprung: Früher als der Detektiv erfahren sie, dass sich nicht etwa Antimonarchisten radikalisiert haben, sondern ganz andere Motive hinter dem Tod des Privatsekretärs stehen. Menschliche Gier sollte niemals unterschätzt werden. James legt allerdings so manchen "red herring" aus, um den Verdacht in eine bestimmt Richtung zu lenken. Um den Fall letztlich zu lösen, braucht Grace die Unterstützung einer Hackerin und eines Code-Experten, denn Sir Peregrin hatte ein verschlüsseltes Tagebuch geführt, in dem die Antworten auf viele Fragen liegen. Bleibt die Frage: Läuft den Ermittlern die Zeit davon?
Spannende Unterghaltung nicht nur für Royalisten.
Peter James, Der Tag des toten Falken,
Hoffmann und Campe 2026
528 Seiten, 22 Euro
9783455022155
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