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Von Schafen und Preppern - "Fürchte dich vor morgen"

 Die hannoversche Üstra dürfte höchst erfreut sein: In Susanne Mischkes Hannover-Krimi haben die Kommissare die Verkehrswende bereits vollzogen und sind ausgesprochen häufig mit der Stadtbahn unterwegs - und das trotz Corona. Kein Wunder, dass da auch Lokalkolorit nicht zu kurz kommt, sei es der Multikulti-Stadtteil Linden oder die ländliche Wedemark. Allerdings geht es im 10. Band von Mischkes Maschsee-Kommissaren vor die Stadt an den Deister.  Hauptkommissar Bodo Völxen wohnt da bereits mit Frau, Terriermischling und seinen geliebten Schafen und stolpert beim Pilzesuchen mit seinem Nachbarn beinahe über die Leiche einer jungen Frau, die mit einer archaischen Jagdwaffe in der Brust auf einer Lichtung liegt. Ihr Vater, so stellt sich heraus, ist nicht nur der Guru der örtlichen Prepper-Szene, sondern auch ein ehemaliger Kollege. Die Tote war seine Lieblingstochter, während die jüngere Tochter Nele sich zwar durch totale Identifizierung mit den Survivalisten um die Anerkennung ...

Der Hass der Ungeliebten - "Der Rattenkönig"

 Pascal Engman hat als Journalist gearbeitet - das  wird in seinem Kriminalroman "Der Rattenkönig" nicht nur an der realistischen Schilderung von Redaktionsabläufen deutlich, er weiß auch, wie man einen komplexen Sachverhalt  mit einem Spannungsbogen aufbereitet, der die Leser fesselt. Nachdem er sich in seiner vorherigen Romanen etwa mit Rassismus und rechtsextremen Milizen befasst hat, geht es in seinem neuen Roman um Hass auf Frauen und die sogenannten Incels - Männer, die unfreiwillig zölibatär sind, weil sie bei Frauen nicht punkten können. Aus Frustration und Minderwertigkeitsgefühlen, Scham und Unzulänglichkeitsgefühlen entwickelt sich bei ihnen Hass mit Gewalt- und Allmachtfantasien. Wie schon im Vorgängerroman "Feuerland"  führt Engman die schwedische Kommissarin Vanessa Franck und den ehemaligen Elitesoldaten Nicholas Paredes zusammen - beide Einzelgänger, bei Menschen, denen es schwer fällt, sich anderen zu öffnen und die in Chile bei einem gemeinsamen Ei...

Die Schuld der Zeugen - für Detective wird es persönlich

 Im vierten Band von Joy Ellis´ Fenland-Serie um die Polizisten Jackman und Evans in der ostenglischen Moorlandschaft wird es ganz besonders düster. Denn der neue Fall der Ermittler wird insbesondere für DI (Detective Inspector) Jackman höchst persönlich: Der Selbstmord seiner Schwägerin Sarah hat die Familie schwer getroffen.  Was konnte die Mutter zweier Kinder zu dem verzweifelten Schritt bewogen haben? Zunächst geht es um die üblichen Fragen, die sich Familienangehörige nach einem für sie völlig unerwarteten Suizid stellen. Doch  dann gelingt es Orac, der IT-Spezialistin des Teams, den eigentlich zerstörten Laptop Sarahs wiederherzustellen, um an die dortigen Daten zu kommen. Es stellt sich heraus, dass sie vor ihrem Tod Emails erhielt, in denen nicht nur sie, sondern insbesondere ihre Kinder bedroht wurden. Hat sie mit ihrem Selbstmord versucht, ihre Kinder zu retten, in dem sie ihr eigenes Leben opferte? Dann wird ein ähnlicher Fall aus einem zweiten Distrikt bekann...

Einsamer Wolf und Korpsgeist der Polizei - "Der Solist"

 Mit seinem Kriminalroman "Der Solist" stellt Jan Seghers einen Ermittler in den Mittelpunkt, der als Polizist eher ungewöhnlich ist. Zum einen wegen seiner Herkunft: Aufgewachsen ist Neuhaus bei der Großmutter im Hessischen Hinterland, mit Geschichten über seine Mutter, die angeblich in Afrika als Lehrerin arbeitete. Erst sehr viel später fand er die Wahrheit heraus: Seine Mutter bewegte sich im RAF-Umfeld, war im Gefängnis. Nicht gerade eine Biografie, die eine Entscheidung für die Laufbahn als Polizist nahelegt.  Und auch in einem anderen Punkt unterscheidet sich der BKA-Beamte von vielen seinen Kollegen: Er arbeitet alleine, eben als Solist, ist ein Einzelgänger. Der von vielen seiner Kollegen geprägte Korpsgeist ist ihm fremd. Und doch muss er sich nun einem Team anschließen, wenn auch ausdrücklich als Solist: Eine neue Einheit der Berliner Polizei befasst sich mit Terrorabwehr. Von den dortigen Kollegen schlägt Neuhaus allerdings Abwehr und Skepsis entgegen. Doch nun ko...

Die Queen ermittelt - Das Windsor-Komplott

 Rozie Oshodi entspricht möglicherweise nicht ganz dem Image eines Höflings: Die stellvertretende Privatsekretärin der Queen, die nach mehreren Jahren beim Militär und in einer Bank in den Dienst ihrer Majestät gewechselt ist, hat nigerianische Wurzeln, stammt aus "kleinen Verhältnissen" und ihr Stil hat mit Twinsets und Perlenketten eher wenig gemein.  Wie sich in S.J. Bennetts Cozy-Krimi "Das Windsor Komplott" herausstellt, braucht sie allerdings auch noch ein paar Qualitäten, die in der Jobbeschreibung nicht angegeben wurden: die Queen betätigt sich nämlich gerne mal als Amateurdetektivin - ein Geheimnis, das von Rozies Vorgängerinnen geteilt und gehütet wird. Und auch Rozie  lernt diese unbekannte Seite ihrer royalen Chefin  erst kennen, als ein junger Russe nach einer Abendgesellschaft auf Schloss Windsor tot aufgefunden wird - offenbar bei autoerotischen Spielchen am Kleiderschrank versehentlich erhängt. How embarrassing. Beim näheren Hinsehen stellt sich alle...

Geschworenenpflicht mit Folgen - Verweigerung

 Das Geschworenensystem wie etwa in der amerikanischen Justiz ist gleichermaßen faszinierend wie erschreckend, wenn man sonst gerade bei großen Prozessen die vorherrschende Rolle von Berufsrichtern kennt. Da sind einerseits ganz normale Leute, die vielleicht andere Perspektiven in die Lebenswirklichkeit von Angeklagten haben als die Juristen, die Vorstellung der gemeinsamen Entscheidungsfindung, der Bürgerverantwortung und dass ein Angeklagter die Chance hat, von Mitbürgern be- und verurteilt zu werden.  Da ist aber auch das Risiko, dass eine Geschworenenjury nach Sympathien und Antipathien entscheidet, dass bewusste und unbewusste Vorurteile die Entscheidung prägen, auch wenn die Prozessparteien vorher versuchten, voreingenommene Geschworene auszuschließen. Die Gefahr, dass Charisma, Überzeugungskraft oder schlichtes Dominanzgebaren eines oder mehrerer Geschworener die allgemeine Meinung einer Jury für oder gegen eine Verurteilung kippen lässt. Könnte es nicht sein, dass prof...

Koks am Strand und Polizist im Zentrum einer Rache-Intrige

 Es geht schon dramatisch los in der "Baskischen Tragödie" von Alexander Oetker: Ein kleiner Junge findet am Strand ein Paket, lutscht etwas von dem daraus rieselnden Pulver, das er für Zucker hält und bricht vor den Augen seiner Mutter zusammen - bei dem Pulver handelt es sich um Kokain von hohem Reinheitsgrad. Luc Verlain von der Polizei in Bordeaux, der in dem Fall ermittelt, lässt die Strände sperren und kann so ähnliche Tragödien verhindern, denn es werden weitere Pakete an verschiedenen Strandabschnitten angeschwemmt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass er noch ganz unmittelbar mit dem Drogenschmuggel zu tun haben wird. Privat könnte es zu diesem Zeitpunkt kaum besser für Luc laufen: Amouk, seine Freundin und Kollegin, ist schwanger. Er ist überzeugt, sie ist die Liebe seines Lebens. Just in dieser Situation findet er einen anonymen Brief, in dem ihm mitgeteilt ist, dass er bereits Vater einer Tochter ist, Ergebnis einer kurzen Affäre, die schon Jahre zurücklie...