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Cold Case in Christiania

  In ihrem Roman "Schwelbrand" lässt Katrine Engberg ihre Kopenhagener Privatdetektivin Liv Jensen ihren persönlichsten Fall erleben.  Jensens neuester Klient, ein ehemaliger Rechtsanwalt, wird ermordet - und sie findet heraus, dass er ein alter Bekannter ihres geliebten Großvaters war. Hat der Jahrzehnte zurückliegende Tod des drogensüchtigen Sohnes des damaligen Generalstaatsanwalts in der Freistadt Christiana etwas mit dem Mord zu tun?  Denn damals lebte der Anwalt in Christiana, gehörte dem sogenannten Rat an, der eine Art interne Rechtsprechung übte. Ihr Großvater, dem sie später in den Polizeiberuf folgte, ermittelte in der Angelegenheit - und die Witwe seines damaligen Partners macht Andeutungen, die den Ruf des Großvaters trüben könnten. Zudem ahnt Jensen, dass in ihrer Kindheit etwas in Christiana geschehen sein könnte, als sie dort einige Tage mit ihrem Opa verbrachte. Etwas Belastendes, das sie verdrängte - doch allein beim Gedanken an Christiana fühlt sie sich...

Hausfrau im Zentrum einer tödlichen Verschwörung

 Ich kenne und schätze Mick Herron als Autor der Geheimdienstserie um die "Slow Horses" des MI5. Da war ich natürlich neugierig auf seine Reihe um die Privatdetektivin Zoe Boehm und wurde nicht enttäuscht: Auch hier findet sich die unwiderstehliche Mischung aus Spannung, Geheimnissen und einer ordentlichen Prise britischen Humors, dazu Protagonisten, die eher unfreiwillig in Verschwörungen und finstere Machenschaften stolpern. Zoe Boehm ist allerdings - bis jetzt - eine Nebenfigur, die erst spät in der Handlung Profil entwickelt. Vor allem geht es um die Hausfrau Sarah, die weder beruflich noch privat gerade viel Freude an ihrem Leben hat. Ehemann Mark ist in der Finanzwelt tätig und verlässt sich darauf, dass sie ihm den Rücken freihält, ohne sie umgekehrt in ihren fast schon vergessenen Ambitionen zu unterstützen. Nun soll sie auch noch als Gastgeberin eines Dinners für einen wichtigen Kunden brillieren, den sie schon sehr schnell nervig und abscheulich findet. Dann allerdi...

Neue Fälle für Robert Kett

 In drei Büchern hat Alex Smith seinen Detective Inspector Robert Kett nach seiner entführten Frau Billie suchen und das Leben als alleinerziehender Vater dreier ausgesprochen lebhafter Töchter meistern lassen. In "Die Stimmen, die die dich rufen" ist die Familie wiedervereint, doch die äußeren und inneren Narben bei allen Beteiligten müssen noch verheilen.  Kett ist vom Dienst suspendiert, er fragt sich, ob seine Frau nach dem Erlebten ihm jemals wieder voll vertrauen wird, doch immerhin: sie lebt. Der geplante Urlaub der Familie im Wohnwagen des raubeinigen aber väterlichen DCI Clare soll die Familie wieder näher zusammenbringen, hofft Klett. Doch natürlich kommt alles mal wieder ganz anders, denn mehrere vermisste Teenager sorgen für Aufregung in der Wohnwagensiedlung. Schnell wird klar: Die Jugendlichen, die eine Clique bildeten, sind nicht ausgerissen. Sie wurden mit Hilfe eines Kassettenrekorders aus ihrem Zuhause gelockt. Der mutmaßliche Entführer wird gefunden - doch ...

Vermisstenfall in der Banja

  Mit seinem historischen Kriminalroman "Samson und das Galizische Bad" lässt der ukrainische Autor Andrej Kurkow nunmehr zum dritten Mal den jungen Kriminalinspektor Samson in der frühen Sowjetunion ermitteln. Noch befindet sich vieles im Umbruch - doch schon ist der aufkommende Stalinismus und die eiserne Faust der Tscheka zu spüren, die Politisierung der Ermittlungen wie des ganzen noch teils revolutionären Alltags. Daher ist auch dieser Roman einmal mehr viel mehr als ein Krimi, auch wenn Samson das Rätsel um  eine Gruppe von Rotarmisten lösen muss, die nach dem Besuch eines öffentlichen Bads spurlos verschwunden sind. Nur ihre Uniformen sind geblieben. Handelt es sich um Deserteure, oder waren in dem Bad finstere Machenschaften zugange? Samson stößt auf Spekulantentum und Räubereien, muss sich um einen Kollegen und seine junge Ehe sorgen, und dann ist da noch die befürchtete Interessen- und Ermittlungskollision durch Überschneidungen mit einem Fall der Tschekisten. Kurko...

Das Grauen in der Eigenheimsiedlung

 "Welcome Home" von Arno Strobel ist laut Verlagsangaben ein Psychothriller. Dem würde ich nicht ganz zustimmen, denn für mich enthält ein Psychothriller das eher leise Grauen, psychologische Spannung, die sich zunächst eher in den kleinen Veränderungen, Gesten und Geschehnissen äußert. Im Fall der Kleinfamilie von Ines und Marco Winkler, die mit der kleinen Tochter Emilia und dem Familienhund in eine Eigenheimsiedlung im Spessart ziehen, klein und familiär, ganz anders als in der bisher gewohnten Großstadt, ist das ganz anders. Denn es dauert nicht lange bis zur ersten und eher grausam zugerichteten Leiche, der andere folgen werden. Die Idylle mit den überwiegend netten und herzlichen Nachbarn steht schon bald unheimlichen Geschehnissen und Gewalt gegenüber. In der Siedlung bricht Panik aus. Spätestens als dann auch noch Emilia verschwindet, will Marco Winkler herausfinden, wer hinter dem Schrecken steckt. Strobel scheint, wenn ich Rezensionen in Buchcommunities sehe, eine t...

Codes und Kryptovermögen

  Andere Senioren mögen Kreuzworträtsel lösen und Gedächtnistraining machen - das Quartett des Donnerstagsmordclub betätigt sich statt dessen als Codeknacker in Richard Osman´s "Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code." Von Ruhestand kann bei den mittlerweile immerhin über 80-Jährigen trotz scheinbar beschaulicher Seniorenresidenz wirklich keine Rede sein. Dabei hatte ich schon befürchtet, der vierte Band könnte so eine Art Schwanengesang sein. Doch weit gefehlt - auch wenn das Alter und seine Einschränkungen durchaus zu Einschränkungen führen und der Gedanke an die eigene Endlichkeit nie ganz weg - Joyce, Elisabeth, Ibrahim und Ron stellen sich auch weiter den Herausforderungen.  Im Fall von Joyce: Die Hochzeit ihrer Tochter. Endlich! Und sogar mit einem ausnehmend sympathischen Schwiegersohn! Im Fall von Ron: Seinen Schwiegersohn hat er ja noch nie sonderlich gemocht. Aber dass die Ehe seiner Tochter mit einem koksenden Kriminellen von Gewalt geprägt ist, das hat er ...

Wenn Oma und Enkelin ermitteln

 Rosemary MacLaine, 76 Jahre alt, hat einen eher herben Charme. Gefühle ausdrücken, das ist nicht so ihr Ding, dazu ist sie zu sehr eine alte Yankee-Dame. Dafür kann sie mit einem Schneemobil umgehen - praktisch, wenn man auf einer Insel in den Großen Seen lebt, wo eisige Winter garantiert sind. Das eher zurückgezogene Rentnerdasein wird jäh gestört, als eine Nachbarin zur Party ins feudale Herrenhaus einlädt - mit dem Hinweis, dass Rosie besser kommt. Andernfalls werde ihr gut gehütetes Geheimnis ans Licht kommen. Soweit die Ausgangslage von "Die Einladung. Mord nur für geladene Gäste" von Kelly Mullen. Rosemary weiß - vor dieser Einladung kann sie sich nicht drücken. Sie kommt allerdings mit Rückendeckung in Form ihrer Enkelin Addie, als Spieleerfinderin rätselerprobt. Eine wichtige Eigenschaft, wie sich schon bald zeigen wird. Denn die etwas dahindümpelnde Party geht auf die Mitternachtsdrinks zu, als es dramatisch wird: Eine Leiche wurde gefunden - und dabei handelt es si...