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Doppeltes Agentenspiel im hohen Norden

Ein Polizist mit Hang zur Selbstzerstörung, ein brutal ermordeter Ex-Politiker und Spion, der Fund einer Frauenleiche, die als ehemalige KGB-Agentin identifiziert wird:In dem Spionagethriller "Die stille Tochter" lässt Gard Sveen noch einmal die Zeit des Kalten Kriegs aufleben und schafft es dabei, den Fall trotzdem nicht wie aus der Mottenkiste der Geschichte gezogen erscheinen zu lassen.

Denn auch wenn das Ende der Sowjetunion die Bedrohungslage für Norwegen verändert hat, obwohl Meisterspion "Sascha" mittlerweile seine Erkenntnisse an die einstigen Feinde verkauft hat und als "Berater" im Westen lebt, schweigt der einstige Leiter der KGB-Station in Oslo und Führunngsoffizier mehrerer Agenten über einige wesentliche Details von einst.

Als ein Angler in einem See die skelettierte Leiche der einstigen DDR-Bürgerin Christel Heinze entdeckt, wird plötzlich die Vergangenheit wieder aufgerollt. Kurz nach dem Fund der Leiche wird der einstige Doppelagent Arvid Storholt ermordet aufgefunden. Er war es, der sich mit Christel nach ihrer Flucht aus der DDR an der Osloer Uni anfreundete, der sie mit einem ziemlich miesen Trick in die Welt der Spionage brachte. Hängt der Tod Storholts mit dem Fund von Heinze zusammen? Welche Rolle spielte er bei ihrem Verschwinden? Und wer ist Bjorn, genannt "Der Bär" - Christel Heinzes große Liebe, ebenfalls verflochten in das Ost-West-Spionagenetz von Lügen, Verrat und doppeltem Spiel?

Der zu Depressionen und Selbstzerstörung neigende Polizist Tommy Bergmann ermittelt zu Storholts Tod, doch bald beauftragt ihn sein Chef mit ganz anderen Ermittlungen eher konspirativer Art. Bergmann kann sich dabei als Spielball des Sicherheitsapparates fühlen und merkt, dass in diesem Fall eine Büchse der Pandora geöffnet wurde. Wem kann er trauen, wer spielt ein doppeltes Spiel? Schnell ahnt er, dass dieser Fall seine berufliche Karierre zerstören kann und ein falsches Wort zur falschen Person schwere Konsequenzen haben kann.

Auf einer anderen Erzählebene wird Christel Heinzes Geschichte erzählt, von der der Leser weiß, das sie letztlich tragisch enden wird. Spannend bleibt es dennoch, denn Christel zappelt wie eine Marionette an den Fäden ihrer Führungsoffiziere, sucht verzweifelt nach einem Ausweg und nach einem Wiedersehen mit ihrer Familie. Ähnlich wie in den Romanen von John Le Carré spielen Verrat und Enttäuschungen eine große Rolle, ist ein glücklicher Ausgang ausgechlossen. Doch hier geht es ncht um die Masterminds der Spionage wie George Smiley und den legendären "Karla", sondern um das schmutzige Spiel der Täuschung auf der Ebene der Spione vor Ort, um den Verrat von Geheimnissen und Gefühlen, aber auch um das, was das für Menschen wie Heinze und ihr Leben bedeutet.

Die Spannung und das Rätselraten halten bis zum Ende des Buches an. Auf jeden Fall empfehlenswert für alle Anhänger intelligenter Spannung.

Gard Sveen, Die stille Tochter
List-Verlag, 2019
368 Seiten, 14,99 Euro
ISBN 9783471360026

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