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Verschwörung am Kap - "Beute"

Es dauert eine Weile, bis sich die beiden Handlungsfäden in Deon Meyers neuem Thriller "Beute" zu einem verweben - dann aber sind Spannung und Ungewissheit bis zum Ende garantiert. Die beiden südafrikanischen Detektive Bennie Griessel und Vaughn Cupido stoßen bei ihren Ermittlungen zum Tod eines ehemaligen Polizisten auf zahlreiche Widerstände. Erst nach und nach entdecken sie, dass es um sehr viel mehr geht - um Korruption und Machtmissbrauch, aber auch um den verzweifelten  Versuch, mit buchstäblich allen Mitteln das Steuer herumzureißen.

Währenddessen geht im französischen Bordeaux ein älterer Mann seiner Arbeit bei einem Restaurator für antike Möbel nach - ein ruhiger, zurückgezogen lebender Mann, der dann plötzlich doch von seiner Vergangenheit eingeholt wird und zu einer schwierigen Entscheidung kommen muss.

Dabei siehr zunächst alles nach einem Routinefall aus für das Duo Griessel und Cupido: Ein ehemaliger Polizist, der nun als Personenschützer arbeitet, begleitete eine reiche Niederländerin im Luxuszug Rovos. Doch er kam nie am Ziel an. Tage später wird seine Leiche an der Bahnstrecke gefnden. War es Selbstmord, ein Unfall, oder doch Mord?

Die Ex-Frau des Mannes weigert sich, an die Selbstmordtheorie zu glauben, und auch die beiden Ermittler stoßen auf einige Ungereimtheiten: Warum ist der Laptop des Toten verschwunden? Wer waren die beiden Männer, die im selben Waggon reisten und die merkwürdiger auf keinem der vielen Touristenfotos klar zu erkennen sind, Schattenmänner, deren Ausweisnummern und Adressen sich als falsch erweisen? Von ganz oben wird den beiden Polizisten beschieden, den Fall ruhen zu lassen.

Griessel und Cupido wollen sich damit nicht zufrieden geben. Irgend etwas ist merkwürdig an dem Fall. Dann werden sie von ihrer Chefin zu einem weiteren Toten gerufen, alles sieht nach Selbstmord aus. Der Mann war einst eine Legende des "Struggle", des Kampfs gegen das Apartheid-System. Er geriet, zusammen mit anderen, in Ungnade, als er Korruption auf höchster Ebene entlarvte und geißelte.  Und offenbar hatte er irgendwelche Geheimnisse.

In "Beute" geht es immer wieder um das neue, moderne Südafrika. Der Zauber der frühen Regenbogennation ist verflogen, zu viele der neuen Führer sind eben keine Madibas.  Korruption, Nepotismus, Machtmissbrauch haben nicht nur viele Menschen desillusioniert, sondern auch diejenigen, die einst in den Jahren des Struggle alles riskiert haben, um das Apartheid-System zu stürzen. Ist es nun Zeit für einen neuen Umsturz?

"Big Men", die an der Macht kleben und sie ausnutzen zur eigenen Bereicherung, die willig die Ressourcen ihres Landes an Geschäftsleute oder Politiker anderer Staaten verhökern, solange dabei nur die eigenen Kassen gefüllt werden - solche Präsidenten gibt es auch in anderen afrikanischen Staaten in viel zu großer Zahl. Können sie gestoppt werden?  In "Beute" müssen sich die Ermittler nicht nur mit den Herausforderungen ihres persönlichen Lebens befassen, sondern auch mit der Frage, wie man angesichts allgegenwärtiger Korruption und politischen Drucks anständig und integer bleibt.  Nach einem etwas sperrigem Auftakt entwickelt sich "Beute" zu einem fesselnden Thriller.

Deon Meyer, Beute,
Aufbau-Verlag, 2020
ca 445 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-352-00941-9

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