Skip to main content

Ein Entführungsfall und eine Geschäftsfrau in der Schuldenfalle - Todsünde

  Touristen aus aller Welt wollen im südafrikanischen Stellenbosch malerisch gelegene Weingüter und heile Welt am Kap kennenlernen. Für die Menschen vor Ort kann die Idylle trügerisch sein. So auch in Deon Meyers neuem Roman "Todsünde" um die Ermittler Bernie Griessel und Cupido Vaughn. Auch diesmal bewegt sich die Handlung in zwei Strängen, die sich erst weit inmitten des Buches verbinden. Griessel und Vaughn sind bei einem hochrangigen Beamten in Ungnade gefallen wegen ihrer Ermittlungen gegen Korruption. Eigentlich sollen sie nicht nur degradiert. sondern in die entlegene Provinz abgeschoben werden - für Griessel Grund zu Sorge. Der trockene Alkoholiker befürchtet, er könnte vor lauter Frust einen Rückfall erleben, Dann allerdings machen andere Offiziere ihren Einfluss geltend - die beiden Ermittler kommen nach Stellenbosch, einem wesentlich angenehmeren Einsatzort.

Für die Immobilienmaklerin Sandra Steenberg allerdings ist das idyllyische Stellenbosch allerdings zu einer Sackgasse geworden, seit der kriminelle Geschäftsmann Jasper Boonstra mit einem Scheinimperium Träume vom schnellen Reichtum platzen ließ. Die Luxusimmobilien, die Sandra vermittelte, sind plötzlich nicht mehr loszuwerden - und die junge Mutter taumelt selbst immer tiefer in die Schuldenfalle, ausgerechnet in einer Zeit, als ihr Mann ein Sabbatical genommen hat, um einen Roman zu schreiben, Sandra, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt und sich von ihren Schwiegereltern nicht akzeptiert wird, will das Steuer unbedingt aus eigener Kraft herumreißen. Als ausgerechnet Boonstra die attraktive Frau mit dem Verkauf eines Weinguts beauftragt, hofft sie auf die ersehnte Wende. Doch Boonstra zeigt nicht nur geschäftliches Interesse an ihr. Die Situation eskaliert.

Bernie und Cupido sollen unterdessen in Stellenbosch einen Vermisstenfall aufklären. Ein Student ist verschwunden, seine Mutter in höchster Sorge. Der junge Mann ist ein Computergenie, konnte mit Hilfe eines Stipendiums studieren und hatte angeblich keine anderen Interessen außer der Universität. Keine Freundin, keine Drogen, keine Parties. Doch was bedeutet die hochwertige Kleidung in seinem Zimmer, die er sich von seinem Stipendium nicht hätte kaufen können? Wieso fehlt seinem Computer die Festplatte und wer ist der Unbekannte, der kurz vor der Vermisstenanzeige mit der Schlüsselkarte des Studenten dessen Zimmer betrat? 

Wie die Erzählstränge am Ende zusammenführen, kann hier nicht angedeutet werden, ohne zu spoilern. Doch soviel kann verraten werden: Deon Meyer hat einmal mehr Spannung mit einem kritischen Blick auf das moderne Südafrika verknüpft, ohne dabei in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Die Tatsache, dass auch diesmal die meisten Protagonisten weiß sind und die Mehrheitsgesellschaft Südafrika eher am Rande vorkommt, hat sicher ebenso mit der Tatsache zu tun, dass Meyer weiß und seine Muttersprache Afrikaans ist, zum anderen mit der Zusammensetzung der Bevölkerung in der western Kap-Provinz.

Für leichtere und persönlichere Töne sorgt das Privatleben der beiden Ermittler, die ihre Hochzeit beziehungsweise Verlobung planen. Während Cupido mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, seit er Backen als Hobby entdeckt hat, versucht Bernie das Verhältnis zu seinem Sohn zu verbessern, das unter seiner Trinkerei schwer gelitten hat.


Deon Meyer, Todsünde

Rütten & Loehning 2021

477 Seiten, 20 Euro

978-3-352-00966-2

Comments

Popular posts from this blog

Das Herz der Dunkelheit schlägt auf der Ferieninsel

  Seit seine 16 Jahre alte Tochter Emme vor vier Jahren während eines Urlaubs mit zwei Freundinnen auf der Ferieninsel Mallorca verschwand, ist der ehemalige schwedische Polizist Tim Blank ein Besessener. Er hat die Arbeit aufgegeben, ist nach Mallorca gezogen, sucht nach seiner Tochter. Anders als die Ermittler will er nicht aufgeben und er will auch nicht loslassen. Die Suche des verzweifelten Vaters, der selbst immer tiefer in einem Strudel von Alkohol, Gewalt und Korruption versinkt hat Mons Kallentoft  bereits in seinem Roman "Verschollen in Palma" erzählt.  Nun ist "Das dunkle Herz von Palma" als Fortsetzung erschienen und es ist vielleicht sogar noch düsterer, auch wenn die Beziehung zu seiner Frau wieder stabiler, wenn auch keineswegs unkompliziert geworden ist. Denn die beiden haben eine kleine Tochter - doch es ist ein Familienleben auf Distanz. Tim hält Frau und Tochter auf Abstand, scheint es schon für mangelnde Loyalität gegenüber Emme zu empfinden, wen...

Ermittlungen in der kleinen Stadt am Rhein - Die Akte Adenauer

 Philipp Gerber ist Amerikaner - aber geboren wurde er als Deutscher. Seine Familie emigrierte in den frühen 30-er Jahren in die USA, weil sie unter den Nationalsozialisten keine Zukunft sah. Gerber kämpfte nicht nur in der US-Army, er war wegen seiner Deutschkenntnisse auch beim Militärgeheimdienst. Nun aber, es ist das Jahr 1953 und der Kalte Krieg im vollen Gang, bekommt er innerhalb von Stunden einen deutschen Pass und einen neuen Job beim noch jungen Bundeskriminalamt in Bonn. Offiziell soll er die Nachfolge eines bei einem Unfall getöteten Kollegen antreten. Inoffiziell soll er herausfinden, woran dieser Kollege gearbeitet hatte. Denn auch der hatte für den Militärgeheimdienst gearbeitet.... Gerber stößt bei seinen neuen Kollegen auf Misstrauen - zum einen, weil sein prompter Wechsel zum BKA als Protektionismus gesehen wird, zum anderen, weil in den deutschen Sicherheitsbehörden längst noch alles nicht so demokratisch ist, wie behauptet wird. Im Gegenteil - unter seinen Kolle...

Surferparadies mit Schatten

 Die Romane von Lucy Clarke sind eine Mischung aus psychologischer Spannung, meist wunderschönen Schauplätzen und der Dynamik von Frauenfreundschaften - bis dann eben das scheinbare Paradies durch Tod und/oder Gewalt erschüttert wird und sich hinter mancher Fassade eine unangenehme Wahrheit offenbart. Das ist in ihrem neuen Buch "The Surf House" über eine Surfer Community an der marokkanischen Küste nicht anders: Model Bea bricht ein Foto-Shooting in Marrakesch ab und beschließt spontan, abzureisen. Sie will dieses Leben nicht mehr - was sie eigentlich will, weiß sie allerdings auch nicht. Als sie Opfer eines Raubüberfalls wird, kommt ihr Marnie zu Hilfe, die mit ihrem Freund ein Surfer-Hostel an der Küste betreibt. Der Zwischenfall endet mit einem in Notwehr getöteten Räuber, Bea hat weder Geld noch ihren Pass. Marnies Hostel ist zunächst Fluchtpunkt für ein paar Nächte, wird aber bei längerer Zeit zu dem Ort, an dem sich Bea neu orientiert, für Kost und Logis arbeitet, auf ...