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Suche nach vermisstem Kind und familiäre Verwerfungen

 Nicole Trope ist eine Autorin für psychologische Abgründe in scheinbar normalen, gut funktionierenden Familien. Bei "Die Pflegefamilie" ist das nicht anders, ebenso das Spiel mit Zeitebenen, der Beginn mit einer dramatischen Situation, die dann nach und nach von hinten aufgerollt wird. Die Wiederholung dabei stört mich nicht, denn die Methode funktioniert.

Hier ist besagter dramatischer Beginn die Suche nach einem vermissten Fünfjährigen, dem Pflegekind von Elizabeth und Howard. Howard verdächtigt den alten, leicht dementen Nachbarn von gegenüber, dass dieser ein ungesundes Interesse an dem kleinen Jungen gehabt habe. Schnell stellt sich aber heraus, dass auch Elizabeth und Howard der Polizei gegenüber nicht mit offenen Karten spielen und es in der Familie ein paar offene Abgründe gibt.

Liegt es daran, dass es nunmehr der dritte Psychothriller von Nicole Trope ist, den ich gelesen habe und die grundsätzliche Masche der Autorin nun besser kenne, oder ist der Plot diesmal schwächer als in den anderen Büchern? Im großen und ganzen war mir schon früh klar, wohin dieses Buch steuern würde. Zudem wurde Kommissar Zufall mitunter ein bißchen exzessiv verwendet. Jedenfalls kam mir "Die Pflegefamilie" ein bißchen schwächer vor als etwa "Die Familie gegenüber". Gefallen hat mir das Buch dennoch. Bloß weil einige Entwicklungen recht vorhersehbar waren bzw meine Vermutungen eintrafen, ist es keineswegs ein langweiliges Buch.

Über die Handlung soll hier gar nicht viel verraten werden. Trope liefert zuverlässig zwischenmenschliche Abgründe im Alltag und dunkle Familiengeheimnisse. Beziehungsgewalt, Selbstbehauptung und Frauenfiguren, die ihre eigene Stärke erst mühsam und schmerzlich entdecken müssen, machen auch "Die Pflegefamilie" zu einem Buch, das nicht enttäuscht hat.


Nicole Trope, Die Pflegefamilie

Bookouture 2023

9781837909544

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