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Wer macht Jagd auf die Slow Horses?

  Wenn Mick Herron seine "lahmen Gäule" in ein neues Rennen schickt, ist eines klar: spannende Unterhaltung gewürzt mit schwarzem britischen Humor und intriganten Politikern, die irgendwie sehr an tatsächlich existierende Persönlichkeiten erinnern, ist garantiert. Und man sollte die einzelnen "slow Horses" besser nicht zu lieb gewinnen, denn schon in den vorangegangenen Bänden um die Parias des britischen Inlandgeheimdienstes MI5 war die Überlebensquote nicht so toll. 

Niemand dürfe sich sicher fühlen, bestätigte Autor Herron denn auch im Interview. Vielleicht mit Ausnahme von Jackson Lamb, dem ständig missgelauntem Herrn des "Slough House" - soviel Zynismus, politische Unkorrektheit und reptilienartige Verschlagenheit ist schließlich schwer zu ersetzen. Wobei auch Diana Taverner, Oberintrigantin und endlich auch oberste Chefin beim MI 5, ihm in letzterem kaum nachsteht.

In "Slough House" werden treue Leser*innen allerdings ein paar Namen aus der Vergangenheit vorfinden. Auch wenn nicht alle von ihnen über ein paar Buchseiten hinaus erhalten bleiben. Denn wieder einmal sind die slow horses unfreiwillig Zielscheiben. Diesmal, weil nach der Ermordung eines russischen Spions durch eine gezielte Indiskretion dem russischen Geheimdienst suggeriert wird, es gäbe beim MI5 eine Einheit für das, was die Amerikaner wet ops nennen. Also ein Killerkommando. Und auf wen soll nicht mit dem Finger gezeigt werden wenn nicht auf die Agenten, die von ihren Kollegen im "Park" seit jeher für entbehrlich gehalten werden. Kurzum: die lahmen Gäule sollten besser galoppieren. Funktioniert der Überlebensinstinkt, der bei der angepeilten Geheimdienstkarriere leider versagt hat?

Herron überzeugt einmal mehr mit seinen Pechvögeln aus dem Slough House, die gegen alle Hoffnung und Erfahrung von ihrer Rehabilitation träumen. Und wie immer sorgen nicht zuletzt die Konfrontationen zwischen Lamb und Taverner für giftsprühende Dialoge. Wobei das ja auch eigentlich für die tagtägliche Kommunikation zwischen Lamb und seinem Team gilt. Auch wenn Herron irgendwann mal die Gäule ausgehen könnten hoffe ich auf weitere Abenteuer der slow horses!


Mick Herron, Slough House

Diogenes 2024

432 Seiten, 19 Euro

978-3-257-30111-3



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