Wenn Claire durch Menschen buchstäblich hindurchblicken kann und sie gewissermaßen als Geister wahrnimmt, hat das nichts Gutes zu bedeuten. Denn Claire, künstlerisch begabt und auch durchaus ambitioniert, hat mörderische Impulse und sieht keinerlei Sinn darin, sie nicht auszuleben. In Joanna Wallaces "My Life as a Serial Killer" hinterlässt sie eine Blutspur und blickt zurück auf eine mörderische Laufbahn, die im zarten Alter von sieben Jahren begann. Damals lernte sie den besonderen Nutzen eines Hammers kennen, ein Werkzeug, dass sie seitdem gerne bei sich führt.
Ein Mensch hat Claire bedingungslos geliebt, einschließlich ihrer finsteren Seite - ihr vor kurzem verstorbener Vater, der in den letzten Jahren seines Lebens an präseniler Demenz litt. In dieser Lage macht Claire etwas, was eigentlich nicht ihrer Art entspricht: Sie schließt sich einer Trauergruppe an, kurz nach dem letzten Mord, wegen dem sie dummerweise erpresst wird - von einem weiteren Mitglied der Gruppe.
Irgendwie klar, dass das für die Erpresserin nicht gut enden kann. Doch irgendwie hat noch jemand Wissen von Claires Aktivitäten. Hat die Trauer sie unvorsichtig gemacht? Können die Durchschnittsmenschen, wie Claire die Normalos um sich herum nennt, doch komplexer sein als gedacht und ihre dunkle Seite wahrnehmen? Und wie viele Menschen muss sie noch umbringen, bis sie endlich ihre Ruhe hat?
"My Life as a serial killer" hat bitterbösen britischen Humor und durchaus komische Seiten, wenn Claire quasi im Plauderton als Ich-Erzählerin übers Morden erzählt und Betrachtungen über die seltsame Welt der Durchschnittsmenschen anstellt. Klar, so richtig sympathisch ist eine Serienkillerin nicht. Die Frage, wer als nächstes dran glauben muss und ob Claire endgültig enttarnt wird, sorgt aber dennoch für spannende Unterhaltung.
Joanna Wallace, My life as a serial killer
Piper 2025
400 S. 17 Euro
9783492065160
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