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Geiseldrama um Chastity Riley - "hotel Cartagena"

Für "Mexikoring" erhielt Simone Buchholz im vergangenen Jahr den Deutschen Krimipreis. Nun ist ein neuer Kriminalroman um die trinkfeste deutschamerikanische Staatsanwältin Chastity Riley mit dem komplizierten Gefühlsleben erschienen. Zum Ermitteln kommt Riley in diesem Hamburg-Krimi nicht, im Gegenteil: sie steckt selbst mitten im Geschehen, als eine Gruppe Männer eine Hamburger Hotelbar überfällt und Geiseln nimmt - darunter auch Riley und ihre Kollegen, die zu einer Geburtstagsfeier versammelt sind. Während das Geiseldrama seinen Lauf nimmt, beobachtet Riley, versucht die Stimmung zu analysieren, und Buckkolz schreibt in dieser unterkühlten, fast poetischen Art, die ihre Riley-Romane prägt: "Jeder von un weiß, dass hier gerade nichts ist, wie es sein sollte, dass das Leben soeben ziemlich scharf abgebogen ist, das ab dieser Nummer nichts mehr so sein wird, wie es vorher war. Könnte sein, dass wir alle noch in dieser Nacht sterbe, oder vielleicht morgen ...

"Brennende Narben" - besessen von der Vergangenheit

Ein unkonventionelle, eher untypische Ermittlerin ist die Frankfurter Kripo-Beamtin Mara Bilinsky - stets ganz in Schwarz gekleidet, was ihr den Beinamen "die Krähe" verschafft hat, mit Tätowierungen aus den rebellischen Jugendzeiten (mal ehrlich, was ist bei jemandem Anfang 30 noch rebellisch mit Tätowierungen? die waren doch zu den entsprechenden Jugendzeiten schon längst Mainstream), tough auftretend, aber auch unter einem Kindheitstrauma leidend: Mit 13 Jahren fand Mara zu Hause ihre ermordete Mutter. In "Brennende Narben", dem dritten Band der Bilinsky-Reihe von Leo Born, geht es darum nicht nur um einen  drohenden Bandenkrieg im Frankfurter Rotlichtmilieu zwischen einer albanischen Gangsterbande und dem "Wolf" vor dem Mara von eine anonymen Anrufer gewarnt wird. Es geht auch um die höchst privaten undienstlichen Ermittlungen der Komissarin, die wissen will, wer schuld am Tod ihrer Mutter ist. Von dieser Frage ist sie regelrecht besessen. Das heißt;...

Von L:iebe, Panik und Besessenheit - Atme!

Nile glaubt, endlich das große Los getroffen zu haben mit Ben: Er ist ihr Seelengefährte, der Mann, mit dem sie zusammengehört, mit dem sie sich ein gemeinsames Leben aufbauen will. Sie planen die Hochzeit, auch das perfekte Kleid ist gefunden, doch just als sie es anprobiert, verschwindet Ben spurlos. Nile kann es nicht fassen, dass keiner das Verschwinden, ja den wartenden Ben bemerkt haben will. Die Polizei hält sie für hysterisch, an Bens Arbeitsplatz macht sich niemand Sorgen und Bens Freunde, die in letzter Zeit ohnehin rar geworden sind, blocken ab oder verweigern den Kontakt zu Nile. Im Glück der beiden gibt es nämlich einen Schönheitsfehler: Damit sie heiraten können, muss Ben erst einmal von seiner ersten Frau Flo geschieden werden. Für Nile ist Flo die Feindin, die Frau, auf deren Seite sich alle von Bens Freunden gestellt haben. Doch sei´s drum: In ihrer perfekten Zweisamkeit genügen sich die beiden vollkommen. Oder ist vielleicht alles ganz anders? In der Konfrontation...

Ermittlungen in einer Diktatur

Auf den ersten Blick ist Rafik Schamis Buch "Die geheime Mission des Kardinals" ein Kriminalroman. Schließlich wird - welch ein Skandal! - die Leiche eines römischen Kardinals in einem an die italienische Botschaft in Damaskus gelieferten Fass mit Olivenöl gefunden. Ein Fall, vielleicht der letzte große Fall, für den melancholischen Kommissar Barudi, wenige Monate vor seiner Pensionierung. Die vatikanische Botschaft  gibt sich zugrknöpft. Barudi, der zur christilichen Minderheit in Syrien gehört, bekommt über private Kontakte heraus, dass der Kirchenfürst in geheimer, komplizierter Mission unterwegs war. Diplomatie und Diskretion sind gefragt bei der Aufklärung dieses Falles, der schnell auch internationale Irritationen auslösen könnte. Wurde der Tat von Islamisten ermordet, gibt es persönliche Motive und warum soll der Kardinal zu einem muslimischen Bergheiligen Kontakt gesucht haben? Barudi, dieser leise, einsame und Gerechtigkeit liebende Mann, ahnt: Dieser...

Schmutzige Bomben und Geheimdienste am Kap - "Sleeper"

Der Kalte Krieg mag vorbei sein, aber Geheimdiensten gehen nie die Feinde aus. Im Thriller "Sleeper" des südafrikanischen Autors Mike Nicol tummeln sich gleich mehrere Nachrichtendienste in Kapstadt und die Tödlichkeit des Agentenlebens hat seit den Tagen östlich oder westlich des Eisernen Vorhangs nichts eingebüßt, wie der Privatdetektiv und Freizeitdealer Bartolomeu "Fish" Pescado feststellen muss. Nun ist die Welt am Kap der Guten Hoffnung ja ohnehin nicht hundertprotentig in Ordnung: Hohe Kriminalität, Korruption, Vetternwirtschaft in einem ANC, der sich in den Jahren der Alleinherrschaft ein ganzes Stück weit von den Idealen des Freiheitskämpfers Mandela entfernt hat. Wirtschaftlich läuft auch nicht alles so, wie es sollte - da kommen Politiker schon mal auf Ideen für Sondereinnahmen. Etwa wenn es darum geht, angereichertes Uran aus Apartheidtagen an irgendwelche Schurkenstaaten zu verhökern - Hauptsache, die Bezahlung stimmt. Diese ganze Welt ...

Asperger und Algavre - "Weiße Fracht"

Spätestens seit "Rain Man" haben Autoren und Filmemacher Autisten oder Menschen mit Asperger Syndrom samt ihrer (im wirklichen Leben wohl nicht ganz so häufig auftretenden) möglichen Superbegabungen für sich entdeckt. Lisbeth Salander, die geniale Hackerin aus der "Millenium" Reihe, ist ja auch so ein Fall. In "Weiße Fracht" von Gil Ribeiro ist Leander Lost als LKA-Austauschbeamter an der Algavre der Außenseiter vom Dienst, mit photographischem Gedächtnis und der Unfähigkeit zu lügen oder Ironie zu verstehen. Der Fund eines ermordeten deutschen Aussteigers ruft Lost und seine portugiesischen Kollegen auf den Plan. Die Szene am Tatort ist ein wenig makaber - wieso hat der Täter dem Toten eine Feder ins zuvor zerschossene Auge gesteckt, ein Petruskreuz auf die Brust, und eine rote Sieben an die Decke gemalt? Ein Einbrecher, der im Haus des Toten auf frischer Tat ertappt wird, scheidet als Täter aus,  bringt die Ermittler aber auf die Fährte einer demnächst...

Doppeltes Agentenspiel im hohen Norden

Ein Polizist mit Hang zur Selbstzerstörung, ein brutal ermordeter Ex-Politiker und Spion, der Fund einer Frauenleiche, die als ehemalige KGB-Agentin identifiziert wird:In dem Spionagethriller "Die stille Tochter" lässt Gard Sveen noch einmal die Zeit des Kalten Kriegs aufleben und schafft es dabei, den Fall trotzdem nicht wie aus der Mottenkiste der Geschichte gezogen erscheinen zu lassen. Denn auch wenn das Ende der Sowjetunion die Bedrohungslage für Norwegen verändert hat, obwohl Meisterspion "Sascha" mittlerweile seine Erkenntnisse an die einstigen Feinde verkauft hat und als "Berater" im Westen lebt, schweigt der einstige Leiter der KGB-Station in Oslo und Führunngsoffizier mehrerer Agenten über einige wesentliche Details von einst. Als ein Angler in einem See die skelettierte Leiche der einstigen DDR-Bürgerin Christel Heinze entdeckt, wird plötzlich die Vergangenheit wieder aufgerollt. Kurz nach dem Fund der Leiche wird der einstige D...