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Packende Triologie um alleinerziehenden Ermittler

 Die Buchbeschreibung von "Ein Schrei, den niemand hört" von Alex Smith machte schon einmal neugierig: Ausgerechnet ein auf Vermisstenfälle spezialisierter Ermittler ist nun selbst betroffen: Robert Kletts Frau ist entführt worden, er weiß nicht, ob sie überhaupt noch lebt. Trotz all seines Spezialwissens kann er seinen liebsten Menschen nicht finden. Als ob das allein nicht schon belastend genug wäre, ist er unversehens alleinerziehender Vater, der für seine drei kleinen Töchter im Alter von 18 Monaten, drei und sieben Jahren, alle mit höchst unterschiedlichem Temperament Normalität wahren muss. In Norfolk, einer neuen Umgebung, soll Klett eigentlich auf andere Gedanken kommen und sich auf seine Kinder konzentrieren. Doch das spurlose Verschwinden zweier Mädchen lässt die angedachte Auszeit scheitern. Klett bietet der örtlichen Polizei seine Zusammenarbeit und Expertise an. Der örtliche Kripochef, Typ Grantler, ist davon zunächst einmal gar nicht angetan. Zum einen, weil er ...

Miss Fortune und der schwarze SUV

 Nachdem ich im vergangenen Jahr eher zufällig auf den ersten Band der "Miss Fortune"-Reihe von Jana de Leon gestoßen bin, war mir klar, dass "Vollgas und Verbrechen" als einer der Folgebände ein Lese-Muss ist. Man muss die Vorgeschichte der schrägen Reihe aus einer Kleinstadt in Louisiana nicht kennen, um in die Handlung reinzukommen. CIA-Agentin Fortune musste abtauchen, solange ein von ihr enttarnter Waffenhändler weiter auf freiem Fuß ist und mit Auftragskillern nach ihr suchen lässt. Dass sie dazu die Rolle einer Ex-Schönheitskönigin und Bibliothekarin in einer Kleinstadt annehmen muss, in der die Zeit in den 1950-er Jahren stehen geblieben ist - damit haderte die toughe Agentin im ersten Band gewaltig. "Vollgas und Verbrechen" ist bereits Abenteuer Nummer zehn von Fortune und ihren Freundinnen Ida Belle und Gertie, die einerseits dem Klischee alter Südstaaten-Ladies entsprechen, andererseits aber eine abenteuerliche Vergangenheit und mancherlei gehei...

Frühlingsgefühle und tödlicher Hass

 Schnee und Eis zum Trotz macht sich der Frühling in Alaska bemerkbar - und zumindest Kate Shugaks Wolfshündin Mutt ist voller Frühlingsgefühle, während sie vor der Blockhütte von einem Timberwolf sehnsuchtsvoll umworben wird. Da Kate sich besseres vorstellen kann als einen Wurf quirliger Welpen, versucht sie, die tierische Romanze konsequent zu unterbinden. Wobei Kate, die toughe Teilzeitermittlerin im hohen Norden Alaskas, bei aller Bindungsscheu männlicher Aufmerksamkeit durchaus aufgeschlossen gegenübersteht.  In "Weit draußen in Alaska" von Dana Stabenow ist für Romantik allerdings wenig Raum, denn gleich zu Beginn des Arktis-Krimis kommt es zu einem Blutbad, als ein Amokläufer im Örtchen Niniltna auf Menschenjagd geht.  Über den Täter muss nicht lange gerätselt werden, seine Taten sind nur der dramatische Auftakt des Buches. Das eigentliche Rätsel, dem Kate im Auftrag der örtlichen Staatsanwalt nachgehen soll, ist der Tod einer jungen Frau, die zunächst ebenfalls al...

Ermittlungen im Olivenhain

 Es gibt schlechtere Arbeitsplätze als den von Enrico Rizzi: Rizzi ist Inselpolizist auf Capri und muss in "Grünes Gold" von Luca Ventura zusammen mit seiner Kollegin Antonia Cirillo zwischen Olivenhainen und der Seilbahnstation auf dem Monte Solaro ermitteln. Dienstlich mit der Vespa auf der Insel herumdüsen - es könnte wirklich schlimmer sein.  Der neue Fall der Inselpolizisten führt sie gleich auf den Berggipfel: Ein Sessellift-Kunde ist tot auf der Bergstation angekommen - und beim näheren Hinsehen stellt sich heraus, dass der Mann erschossen wurde. Bei einem Gewaltdelikt schaltet sich zwar die Kriminalpolizei in Neapel ein und Rizzi und Cirillo dürfen nur im Auftrag ermitteln, doch die beiden machen sich so ihre eigenen Gedanken und kommen dank ihres Insel-Know-Hows einigen Geheimnissen auf die Spur. Ich kannte die vorherigen Bücher des Autors nicht, was vielleicht ein Nachteil ist - weniger für den Plot, es handelt sich schließlich um eine abgeschlossene Handlung, als m...

Surferparadies mit Schatten

 Die Romane von Lucy Clarke sind eine Mischung aus psychologischer Spannung, meist wunderschönen Schauplätzen und der Dynamik von Frauenfreundschaften - bis dann eben das scheinbare Paradies durch Tod und/oder Gewalt erschüttert wird und sich hinter mancher Fassade eine unangenehme Wahrheit offenbart. Das ist in ihrem neuen Buch "The Surf House" über eine Surfer Community an der marokkanischen Küste nicht anders: Model Bea bricht ein Foto-Shooting in Marrakesch ab und beschließt spontan, abzureisen. Sie will dieses Leben nicht mehr - was sie eigentlich will, weiß sie allerdings auch nicht. Als sie Opfer eines Raubüberfalls wird, kommt ihr Marnie zu Hilfe, die mit ihrem Freund ein Surfer-Hostel an der Küste betreibt. Der Zwischenfall endet mit einem in Notwehr getöteten Räuber, Bea hat weder Geld noch ihren Pass. Marnies Hostel ist zunächst Fluchtpunkt für ein paar Nächte, wird aber bei längerer Zeit zu dem Ort, an dem sich Bea neu orientiert, für Kost und Logis arbeitet, auf ...

Die Leiche unterm Vogelnest

 Vogelbeobachter - auf neudeutsch birder - stehen ja wegen ihres Hobbys im Ruf, womöglich ein bißchen kauzig zu sein. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel" trifft das weitgehend zu. Altphilologin Katja ist zwar durchorganisiert und hat jederzeit ein passendes lateinisches Zitat parat, aber Sozialkompetenz gehört nicht zu ihren Stärken. Ist es da ein Wunder, dass ihre beste Freundin ein Huhn ist? Der grummelige Rentner Harald, einst Forensiker, hadert ganz generell mit der modernen Zeit und ist ein ziemlicher Messie.Sabine dagegen überfordert die  übrigen Birder in bayrischen Traunstein mitunter mit ihrer mütterlichen Art, obwohl sie mit einer pflegebedürftigen Mutter und einem pubertierenden Sohn schon ziemlich ausgelastet ist. Thilo, der jüngste im Bunde, ist unter die Birder gegangen, weil er hofft, so das Interesse einer klimabewegten jungen Frau zu gewinnen, in die er sich aus der Ferne verknallt hat.  Und dann ist da noch Frank, über den weder die anderen Birder...

Klaustrophobischer Thriller

 In seinem klaustrophobischen Thriller "Die Kammer" führt Will Dean seine Leser*innen buchstäblich in die Tiefe, nämlich in die Tauchkammer, in der sechs Sättigungstaucher auf engstem Raum arbeiten, tagelang am Meeresboden Wartungsarbeiten etwa für Ölbohranlagen ausführen. Es ist eine gefährliche Arbeit, in der sich die Taucher blind aufeinander verlassen können müssen. Für Ich-Erzählerin Ellen Brooke, die einzige Frau der Gruppe, ist es der Traumjob, auf den sie lange hingearbeitet hat. Dafür nimmt sie immer wieder die Trennung von der Familie auf sich, die beengten Verhältnisse in der Kammer ohne Privatsphäre, die tagelange Dekompression, wenn es nach dem Arbeitseinsatz wieder an die Oberfläche geht. Denn die Tür zur Taucherkammer plötzlich zu öffnen, ohne den Druckunterschied allmählich, im Schneckentempo, anzugleichen, würde fatale Folgen haben. Zudem befinden sich die Taucher unter Dauerbeobachtung: Eine Crew an Bord des Schiffes ist für ihr Wohlergehen, ja ihr Überleben...