Die
Idee klingt nicht unoriginell: Ein Schauspieler, der
Fernsehzuschauern als Tatort Kommissar bekannt ist, schreibt ein
Buch, in dem er selbst die Hauptfigur eines fiktiven Romans ist und
gewissermaßen in eigener Sache ermitteln muß. Das könnte daneben
gehen in Form von eitler Selbstbespiegelung oder -beweihräucherung.
Im Fall von Miroslaw Nemec ist das dank einer erfrischenden
Selbstironie und kleinen Seitenhieben auf die eigene Branche aber
erfreulicherweise nicht der Fall.
Der
Ausgangspunkt von „Kroatisches Roulette“ passt in die #MeToo
Debatte: Ich-Erzähler Nemec ist in Kroatien, um mit einem dortigen
Produzenten über ein Projekt zu sprechen. Schon allein die
Beschreibung der Protz- und Schmeichelspielchen in der Filmbranche
lassen schmunzeln. Dem Roman-Nemec allerdings vergeht zu später
Stunde im Hotel das Lachen: Der Zimmerservice meldet sich, doch die
junge Frau, die ihm eine Flasche Champagner schickt, reißt sich das
Kleid vom Leib. Als Nemec versucht, sie abzuwehren, blitzen Kameras
auf.
Nemec
weiß: Bilder, die als sexueller Übergriff gedeutet werden, sind ein
Karrierekiller. Hat er es mit einem schlechten Scherz zu tun oder mit
einem Erpressungsversuch? Die Suche nach den Hintergründen und der
Versuch, seinen Ruf zu retten, bringen Nemec in Kontakt zu einem
alten Jugendfreund. Als Kinder waren sie Blutsbrüder auf den Spuren
von Winnetou und Old Shatterhand, nun ist Drago Polizeichef. Doch
kann der ihm helfen, als Nemec über eine Leiche stolpert? Der Weg
ins Verderben scheint vorprogrammiert…
Kroatisches
Roulette ist mit leichter Hand geschrieben. Köstlich sind die
selbstironischen Einsprengsel, wenn der weißhaarige Schauspieler
entrüstet das Angebot seiner Agentin ablehnt, für Treppenlifte zu
werben: Dafür sei er schließlich viel zu jung! Nostalgisch, ohne
sentimental zu sein sind die Reminiszenzen an die Kindheit in
Kroatien, damals, als es noch Jugoslawien gab und Tito. Nachdenklich
die Bezüge zum Bürgerkrieg und seinen Folgen, die Drago und andere
bis in die Gegenwart mit sich herumschleppen. Und auch
deutsch-kroatische natironale Eigenheiten werden einander mit einem
gewissen Augenzwinkern gegenübergestellt von dem Autor, der
schließlich beide Identitäten kennt und in sich vereint.
Nett,
nicht nur für Tatort-Fans.
Miroslav
Nemec, Kroatisches Roulette
Penguin-Verlag,
München 2018
286
Seiten
ISBN
978-3-328-60007-7
Comments
Post a Comment