Ich habe den Kanada-Thriller "Die Schneetoten" von Barbara Fradkin mit sehr gemischten Gefühlen beendet. Der Plot ist eigentlich spannend und zeitaktuell: Eine Gruppe Jugendlicher, die meisten mit Migrationshintergrund, bricht auf zu einem Abenteuertrip in der verschneiten Provinz Quebec. Zwei Jugendliche verschwinden - Luc, der eine Vorgeschichte von Drogenmissbrauch hat, und Yasmina, ein schönes und hochintelligentes Mädchen, das, wie sich herausstellt, islamistisch radikalisiert ist. Droht ein Anschlag, und wie tief sind die Jugendlichen in Terrorpläne verstrickt?
Das ist eine spannende Ausgangslage, gepaart mit der Frage, was junge Menschen in die Arme von Extremisten treibt. In der Tat wird das in dem Buch auch angekratzt. Die Hauptfigur ist allerdings Amanda Doucette, eine frühere Entwicklungshelferin, die nach traumatischen Erfahrungen in Nigeria immer noch auf der Suche nach ihrem inneren Gleichgewicht ist und die Abenteuerreise der Jugendlichen organisiert hat. Sie stürzt sich im Alleingang auf die Aufklärung des mysteriösen Verschwindens der beiden Jugendlichen und ist bemüht, einen drohenden Terroranschlag zu verhindern.
Und genau hier beginnt mein Problem mit "Die Schneetoten", denn die Figur von Amanda Doucette ist einfach völlig unglaubwürdig. Wie sie wiederholt gegen besseres Wissen im Alleingang die Gefahr sucht und die richtige Lösung findet, jede Gefahr scheut und sich auch jenseits der Sicherheitsabsperrungen der Polizei in einer Groß-Bedrohungslage zu begeben weiß - das ist einfach völlig unrealistisch. Mich haben schon früher die männlichen Superhelden genervt, die im Alleingang mit jeder Übermacht aufgeräumt haben und die Tatsache, dass es sich diesmal um eine Frau handelt, stimmt mich einfach nicht milde.
Hier stimmt einfach gar nichts - erst einmal die Vorgeschichte. Keine Hilfsorganisation lässt das internationale Personal in einer Situation, in sie sich hunderte von Kilometern durch Rebellengebiet kämpfen müssen. Ohne Supervisor und Trauma-Aufarbeitung liefe auch nichts. Polizeiarbeit und vor allem Operationen von Anti-Terror-Einsätzen laufen einfach nicht so, dass ein Zivilist mal eben so durch die Sicherheitsabsperrungen schlüpfen kann, während die Beamten vor Ort nichts davon mitkriegen. Das ist einfach unglaubwürdig, unrealistisch und schlecht recherchiert. Und das ist schade, denn das Thema ist höchst spannend. Nur die Umsetzung überzeugt mich in diesem Fall überhaupt nicht. Leider. Immerhin: die Beschreibung der kanadischen Winterlandschaft ist stimmungsvoll und athmosphärisch, und auch manche Nebenfigur wie die Outdoor-Spezialisten Sylvie und Sebastien sind sympathisch.
Barbara Fradkin, Die Schneetoten.
Aufbau-Verlag 2018
384 Seiten, 9,99 Euro
ISBN 978-3-7466-3382-4
Das ist eine spannende Ausgangslage, gepaart mit der Frage, was junge Menschen in die Arme von Extremisten treibt. In der Tat wird das in dem Buch auch angekratzt. Die Hauptfigur ist allerdings Amanda Doucette, eine frühere Entwicklungshelferin, die nach traumatischen Erfahrungen in Nigeria immer noch auf der Suche nach ihrem inneren Gleichgewicht ist und die Abenteuerreise der Jugendlichen organisiert hat. Sie stürzt sich im Alleingang auf die Aufklärung des mysteriösen Verschwindens der beiden Jugendlichen und ist bemüht, einen drohenden Terroranschlag zu verhindern.
Und genau hier beginnt mein Problem mit "Die Schneetoten", denn die Figur von Amanda Doucette ist einfach völlig unglaubwürdig. Wie sie wiederholt gegen besseres Wissen im Alleingang die Gefahr sucht und die richtige Lösung findet, jede Gefahr scheut und sich auch jenseits der Sicherheitsabsperrungen der Polizei in einer Groß-Bedrohungslage zu begeben weiß - das ist einfach völlig unrealistisch. Mich haben schon früher die männlichen Superhelden genervt, die im Alleingang mit jeder Übermacht aufgeräumt haben und die Tatsache, dass es sich diesmal um eine Frau handelt, stimmt mich einfach nicht milde.
Hier stimmt einfach gar nichts - erst einmal die Vorgeschichte. Keine Hilfsorganisation lässt das internationale Personal in einer Situation, in sie sich hunderte von Kilometern durch Rebellengebiet kämpfen müssen. Ohne Supervisor und Trauma-Aufarbeitung liefe auch nichts. Polizeiarbeit und vor allem Operationen von Anti-Terror-Einsätzen laufen einfach nicht so, dass ein Zivilist mal eben so durch die Sicherheitsabsperrungen schlüpfen kann, während die Beamten vor Ort nichts davon mitkriegen. Das ist einfach unglaubwürdig, unrealistisch und schlecht recherchiert. Und das ist schade, denn das Thema ist höchst spannend. Nur die Umsetzung überzeugt mich in diesem Fall überhaupt nicht. Leider. Immerhin: die Beschreibung der kanadischen Winterlandschaft ist stimmungsvoll und athmosphärisch, und auch manche Nebenfigur wie die Outdoor-Spezialisten Sylvie und Sebastien sind sympathisch.
Barbara Fradkin, Die Schneetoten.
Aufbau-Verlag 2018
384 Seiten, 9,99 Euro
ISBN 978-3-7466-3382-4
Comments
Post a Comment