Mord im Vatikan, ein toter Papst - das ist ein Stoff, der Verschwörungstheoretiker und Krimiautoren gleichermaßen inspiriert. Was beim Tod eines Papstes, ob nun aus natürlichen Gründen oder mit Gewalt im Spiel, zu beachten ist und welche Rolle der "camerlengo" dabei spielt, wissen bereits Dan Brown-Leser. Mit "Der Papst, die Prophezeiung und das Nest der Waschbären" hat Peter Simon nun eine eigene Version zu einer Bluttat im Kirchenstaat geschrieben, in der kein Mangel an bissig-humorvollen Seitenhieben auf die klerikale Männergesellschaft im Vatikan, auf die Ränkespiele der Kurie und moralische Untiefen der angeblich frommen Geistlichkeit herrscht.
Denn als Petrus II. von einer Kugel dahingerafft von einem päpstlichen Mitarbeiter gefunden wird, herrscht erst mal Chaos: Auf gar keinen Fall soll die Polizei hinzugerufen werden, die päpstliche Leiche wird vom Assistenten, der Haushälterin und zwei Schweizer Gardisten diskret und unauffällig in die päpstlichen Gemächer geschmuggelt und während die PR-Maschinerie langsam anläuft, um Gläubige und Medien in spärlichen, klein dosierten Informationshäppchen nach und nach mit der Nachricht von dem tödlichen Attentat zu versorgen, dreht sich bei den Kardinälen längst alles um die Nachfolgedebatte - wer ist papabile, wer soll unbedingt verhindert werden?
Ach ja, und der Camerlengo, der mit dem Tod des Papstes zu voller Form seines Amtes auflaufen darf? Kardinal Duca muss erst mal gefunden worden, verbrachte er die Nacht doch nicht in seinem Palast, sondern in den Armen seiner Geliebten.
Nur Schwester Assunta, die Haushälterin des Papstes, zeigt echte Trauer - möglicherweise auch aus ganz persönlichen Gründen. Nicht, dass da was zwischen ihr und dem Papst gelaufen wäre (obwohl die Zahl der amourösen Verwicklungen der geistlichen Herren in diesem Buch nun wirklich wenig mit dem offiziell geforderten Zölibat zu tun hat). Aber mit dem plötzlichen Ende ihrer Amtszeit als Haushälterin droht ihr ein abgeschlossenes Leben hinter Klostermauern - Strenge, Gehorsam und der Neid der Mitschwestern wegen der relativ freien Jahre im Vatikan. Keine guten Perspektiven für Schwester Assunta!
Aus dem Klappentext ist zu erwarten, dass die resolute Nonne nun, einer italienischen Miss Marple im Habit vergleichbar, zu ermitteln beginnt. Diese Erwartung wird allerdings enttäuscht, denn erst weit hinten im Text macht sich die Schwester auf die Suche nach einer Lösung des Papstmordes. Ohnehin wirkt sie im Vergleich zu den liebevoll überzeichneten Kirchenfürsten relativ blass. Ein Schwerpunkt der Erzählung liegt auf den Intrigen der Kardinäle, den Eitelkeiten der großen und kleinen Kleriker. Das Ende überrascht dann doch.
Mord oder nicht - an vielen Stellen dieses Buches konnte ich herzhaft lachen. Menschlich-allzu menschlich geht es in Peter Simons Vatikan zu. Ein Kirchenkrimi zum Schmunzeln.
Peter Simon, Der Papst, die Prophezeiung und das Nest der Waschbären
Aufbau digital, Dezember 2018
217 Seiten
Denn als Petrus II. von einer Kugel dahingerafft von einem päpstlichen Mitarbeiter gefunden wird, herrscht erst mal Chaos: Auf gar keinen Fall soll die Polizei hinzugerufen werden, die päpstliche Leiche wird vom Assistenten, der Haushälterin und zwei Schweizer Gardisten diskret und unauffällig in die päpstlichen Gemächer geschmuggelt und während die PR-Maschinerie langsam anläuft, um Gläubige und Medien in spärlichen, klein dosierten Informationshäppchen nach und nach mit der Nachricht von dem tödlichen Attentat zu versorgen, dreht sich bei den Kardinälen längst alles um die Nachfolgedebatte - wer ist papabile, wer soll unbedingt verhindert werden?
Ach ja, und der Camerlengo, der mit dem Tod des Papstes zu voller Form seines Amtes auflaufen darf? Kardinal Duca muss erst mal gefunden worden, verbrachte er die Nacht doch nicht in seinem Palast, sondern in den Armen seiner Geliebten.
Nur Schwester Assunta, die Haushälterin des Papstes, zeigt echte Trauer - möglicherweise auch aus ganz persönlichen Gründen. Nicht, dass da was zwischen ihr und dem Papst gelaufen wäre (obwohl die Zahl der amourösen Verwicklungen der geistlichen Herren in diesem Buch nun wirklich wenig mit dem offiziell geforderten Zölibat zu tun hat). Aber mit dem plötzlichen Ende ihrer Amtszeit als Haushälterin droht ihr ein abgeschlossenes Leben hinter Klostermauern - Strenge, Gehorsam und der Neid der Mitschwestern wegen der relativ freien Jahre im Vatikan. Keine guten Perspektiven für Schwester Assunta!
Aus dem Klappentext ist zu erwarten, dass die resolute Nonne nun, einer italienischen Miss Marple im Habit vergleichbar, zu ermitteln beginnt. Diese Erwartung wird allerdings enttäuscht, denn erst weit hinten im Text macht sich die Schwester auf die Suche nach einer Lösung des Papstmordes. Ohnehin wirkt sie im Vergleich zu den liebevoll überzeichneten Kirchenfürsten relativ blass. Ein Schwerpunkt der Erzählung liegt auf den Intrigen der Kardinäle, den Eitelkeiten der großen und kleinen Kleriker. Das Ende überrascht dann doch.
Mord oder nicht - an vielen Stellen dieses Buches konnte ich herzhaft lachen. Menschlich-allzu menschlich geht es in Peter Simons Vatikan zu. Ein Kirchenkrimi zum Schmunzeln.
Peter Simon, Der Papst, die Prophezeiung und das Nest der Waschbären
Aufbau digital, Dezember 2018
217 Seiten
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