Der amerikanische Krimi-Autor Michael Connelly ist vor allem für seine Serien über den Polizei-Detective Harry Bosch und den "Lincoln Lawyer" Mickey Haller bekannt. Zu seinen kleineren Spin-offs gehört aber auch der FBI-Profiler Terry McCaleb, ein Experte für Serienmörder. In einem Fall der Bosch-Serie unterstützte er den Polizisten. "Das zweite Herz" ist dagegen ganz McCaleb gewidmet.
Der Blick in die Abgründe psychopathischer Killer hat McCaleb wohl buchstäblich das Herz gebrochen: Dank der Transplantation eines Spenderorgans überlebte er. Doch sein Gesundheitszustand zwang ihn in den Vorruhestand. Mit Mitte 40 lebt McCaleb ein Rentnerleben im Yachthafen, in dem er das alte Boot seines Vaters wieder seefähig machen will. Da sein Brustbein nach der Operation am offenen Herzen noch nicht verheilt ist, darf er noch nicht einmal Auto fahren - sollte sich im Falle eines Unfalls der Airbag öffnen, hätte das für McCaleb nicht lebensrettende, sondern tödliche Folgen.
Und doch ist es nicht nur die Langeweile über ein vielleicht zu ruhiges Leben, das den Ex-Ermittler dazu bringt, der Bitte einer Frau nachzukommen, den Mord an ihrer Schwester zu untersuchen. Denn die tote Frau war Organspenderin und hatte eine seltene Blutgruppe - wie McCaleb. Es ist ihr Herz, das McCaleb ein neues Leben ermöglicht hat.
Bei seinen Untersuchungen stößt McCaleb auf einen Mord, in dem ähnlich vorgegangen wurde. Gibt es einen Zusammenhang? Die offiziellen Ermittler sind nicht gerade begeistert, dass sich der Ex-FBI-Mann in ihre ungelösten Fälle einmischt. Doch wie perfide der Täter vorgegangen ist und dass die Opfer keineswegs zufällig gefunden wurden, erkennt McCaleb erst spät. Krimi-Routinier Connelly sorgt gerade im letzten Teil des Buches für eine überraschende Wende, die selbst McCaleb als Kenner des Bösen noch überraschen kann. Sehr konstruiert? Vielleicht. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch.
Michael Connelly, Das zweite Herz
Kampa 2025
544 Seiten, 19,90
9783311121077
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