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John Cardinals persönlichster Fall

 Es ist Herbst in Algonquin Bay, die vermutlich schönste Jahreszeit im kanadischen Osten mit der spektakulären Laubfärbung der Wälder. Doch John Cardinal, Polizist in der Kleinstadt am See, hat keinen Blick für die Schönheiten der Natur. Er muss in "Kanadische Nächte" von Giles Blunt einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten. Seine manisch-depressive Frau, schön, talentiert und unglücklich, hat jahrelang gegen ihre Dämonen gekämpft. Nun ist sie tot - und Cardinal fällt es schwer, an Selbstmord zu glauben. Doch die Beweislage ist klar, einschließlich eines Abschiedsbriefes. Und in einer so persönlichen Angelegenheit darf Cardinal ohnehin nicht offiziell ermitteln - dass ihm die nötige professionelle Distanz fehlt, ist unstrittig. Doch hält sich Cardinal an diese Regeln? In seinem persönlichsten Fall braucht er die Wahrheit mehr denn je. Er riskiert im Zweifelsfall lieber seine Karriere, als die Suche einzustellen.  Viel darf hier nicht verraten werden, um nicht zu spoilern, ...

Familienfeier am Gletscherfeld

 Eva Björg Aegisdottir hat bisher drei Romane um die Ermittlerin Elma in Akranes geschrieben, die einen Hang hat, sich mit wenig durchdachten Alleingängen in Gefahr zu bringen. Auch ihr Buch "Verlassen" führt in die westisländische Region. Doch das Ermittlerteam von Akranes ist in diesem Fall eher eine Randnotiz. Man kann das Buch auch als Prequel zur Reihe verstehen. Stattdessen zeichnet Aegisdottir das Bild eines schwerreichen Familienclans, der sich in einem chicen Hotel am Gletscherfeld versammelt, um den Urahn und Gründer des Familienunternehmens zu feiern. Schnell zeigt sich: Geld allein macht nicht glücklich. Und es ist einiges dran an dem Spruch über Gründergenerationen und ihre Erben: Die ersten bauen auf, die zweiten mehren den Reichtum, aber die dritte Generation genießt den Luxus deutlich mehr als die Aussicht aufs Arbeiten. Das ist auch in dieser Familie teilweise der Fall.  Alte Konflikte und Eifersüchteleien brechen auf, zusätzlich befeuert von reichlich Alkoho...

Marmor und Vendetta

 Es ist Sommer in Südtirol und Commissario Grauner würde sich eigentlich am liebsten seinem Hof und seinen geliebten Kühen widmen. Doch sei Plan, sich in den vorgezogenen Ruhestand zurückzuziehen, ist nach einem Missverständnis mit dem Staatsanwalt gründlich danebengegangen. Vielleicht auch ganz gut - denn seine Ehefrau, die er sogar noch mehr liebt als seine Kühe, ist offenbar missgestimmt. Was ist schiefgegangen nach so vielen Jahren glücklicher Ehe? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dem Commissario nicht in Lenz Koppelstätters "Das Schimmern am Berg", dem nunmehr zehnten Buch um Grauner und sein Team in der Bergwelt Südtirols. In einem Marmorsteinbruch wurde die zerstümmelte Leiche einer Künstlerin gefunden. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden - aber ist er auch der Täter? Daran kommen Grauner zunehmend Zweifel. Mehr denn je fehlt ihm sein gewohntes Ermittlerteam, denn der neapolitanische Import Saltapepe und die gletscheräugige Silvia Tappeiner, auch privat ein Team, sind...

Cold Case im Pott

 Seit mehr als sechs Jahren ist der Steinkohlebergbau in Deutschland Geschichte. Doch die Tradition der Bergleute, ihr Zusammenhalt und  die raue aber herzliche Mentalität der Ruhrpott-Bewohner lebt einmal mehr auf in dem Regionalkrimi "Kohle, Stahl und Mord" von Martin Conrath. Wobei es irgendwie passt in die neue Welt des Potts nach dem Strukturwandel, dass bei den Arbeiten für ein Besucherbergwerk auf der fiktiven Essener Zeche Ludwig nach einem Zwischenfall unter Tage  Knochen gefunden werden. Eigentlich sollte die Sache klar sein - endlich ist das "wandernde Dutzend" aufgetaucht, die zwölf Bergleute, die nach einer Explosion nie gefunden wurden. Andere Kumpel, die damals verschüttet wurden und geborgen wurden, tragen seit Jahrzehnten das Trauma mit sich herum. Also endlich Schlussstrich unter ein Unglück, das die Region erschütterte? Keinesfalls, denn es werden die Überreste einer 13. Person gefunden - mit einer Kugel im Schädel. Hauptkommissarin Elin Akay find...

Doppelmörderin oder Justizopfer?

 Eigentlich ist Harinder Singh von der norwegischen Polizei noch krankgeschrieben, um eine Schussverletzung auszukurieren. Und er hat auch gar keine Lust, wieder einmal bei seinem Vorgesetzten anzuecken, indem er sich einen 20 Jahre alten Fall vornimmt, in dem dieser einst ermittelt hat. Der Mann ist schließlich für seine Gründlichkeit bekannt, und die Strafverteidigerin, die Singh bittet, sich die alten Akten noch einmal anzusehen, steht schließlich auf der "anderen Seite". Doch ganz kann Singh in "Schuld" von Sven Peter Naess seine Neugier dann doch nicht bezähmen - und stößt prompt auf eine Auffälligkeit, die ihn an der Schuld der wegen Doppelmordes verurteilten Helene  zweifeln lässt. Helene hat ihr halbes Leben im Gefängnis verbracht, ist nun vorzeitig entlassen worden und in ihren alten Heimatort zurückgekehrt, in dem auch Singh aufgewachsen ist. Beide gingen sogar auf dieselbe Schule, hatten aber nicht viel miteinander zu tun. Helene war schon als Teenager sc...

Lebenslügen und Masken

Toxische Männlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Kriminalromane von Carla Kovach um DI Gina Harte in den britischen Midlands. Im nunmehr siebten Band der Reihe zeigt sich allerdings, dass körperliche und psychische Gewalt auch von Täterinnen ausgehen können. Zur düsteren Stimmung des Romans - mehrere Opfer werden lebendig in einem Sarg begraben - passt die Jahreszeit: Es ist Halloween, die Zeit der Geister, und viele stürzen sich nur zu gerne auf die Boulevard-Theorie von Gespenstern und alten Flüchen. Auf Aberglauben setzen Harte und ihre KollegInnen natürlich nicht, doch sie ahnen: Sie stehen in einem Wettlauf gegen die Zeit, als nach dem Tod eines Obdachlosen eine Frau vermisst wird. Auf den ersten Blick hatten die beiden nichts miteinander zu tun, doch die persönlichen Briefe, die Harte erhält, lassen auf einen Täter oder eine Täterin auf einem persönlichen Rachefeldzug schließen. Mehr noch: Der Briefschreiber weiß Dinge über Harte, die diese lieber unter Verschluss h...

Der tote Barbier von Hannover

 Mit "Wehe, du irrst dich" hat Susanne Mischke ihren 14. Hannover Krimi geschrieben. Ich kannte die Reihe um den Kommissar Bodo Völxen und sein Team bisher nicht und fragte mich daher, ob ich denn in eine so weit fortgeschrittene Reihe einsteigen kann. Aber jeder Band ist offenbar in sich abgeschlossen und in das Zusammenspiel der Protagonisten kommt man schnell rein. Für eine wie mich, die die Schulzeit in Hannover verbracht hat, war es ein bißchen Deja vu - zum einen kannte ich die Orte der Handlung, zum anderen - schon der Name Bodo Völxen ist so ur-niedersächsisch und auch der ganze Typ mit seinen festgefügten Ansichten, dem Unbehagen vor zu viel Nähe, als der junge ostfriesische Kollege sein Tiny house ausgerechnet beim Grundstücksnachbarn  aufschlägt. Sturmfest und erdverwachsen, wie es im Niedersachsenlied heißt.  Der spröde Charme des Nordens, an den man sich als Zugereister insbesondere weiter aus dem Süden erst mal gewöhnen muss, schlägt beim Lesen aus den Buchs...