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Vaticanum: Enttäuschender und klischeebeladener Thriller um entführten Papst

Ein Wissenschaftler und Code-Experte als Hobby-Ermittler unterwegs im Vatikan und im Clinch mit den mächtigen der Kurie - da denke ich eigentlich erst einmal an Robert Langdon aus den Romanen von Dn Brown. Doch was der US-Autor kann, das will auch der portugiesische Schriftsteller  J.R. Dos Santos, der in seinem Thriller "Vaticanum" den Archäologen Tomas Norinha, eigentlich auf der Suche nach dem Petrusgrab, in einer Entführung des Papstes durch islamistische Terroristen stolpern lässt.

Das klang nach aktueller, spannender Unterhaltung, zudem wurde der Autor im Klappentext als ehemaliger Kriegsberichterstatter im Irak und in Syrien angepriesen - ich griff also mit ziemlich hohen Erwartungen zum Buch. Es klang schließlich ganz so, als kenne sich der Mann mit der Materie aus,  und sei auch außerhalb von fiktiven Werken ein Schreib-Profi.

Aber ach, die Lektüre erwies sich als bittere Enttäuschung. Flache, Klischeehafte Charaktere ohne wirkliche Tiefe, lahme Dialoge, langatmige Wiederholungen, die den Erzählfluss lähmten, eine eher schwülstige Schreibweise - das Buch blieb weit, weit hinter meinen Erwartungen zurück. An sich interessante, aber seit langem bekannte und wiederholt veröffentlichte Erläuterungen zu den vergangenen Finanzskandalen des Vatikan und berüchtigte Connections zwischen Vatikan-Finanziers, einer Freimaurerloge und der Mafia, die Theorien der Ermordung von Johannes Paul I. und andere Kirchenskandale wurden langatmig wiedergekäut, ohne zwingend die Handlung voranzutreiben, im Gegenteil.

Mit der Charakterisierung seiner Figuren glänzte der Autor zwar ohnehin nicht, aber ganz besonders ärgerlich war die Beschreibung der Frauen, speziell Norinhos Verlobteer Maria Flors, und der attraktiven Wirtschaftsprüferin im Vatikan, die Norinho ein wenig abzulenken droht. Die Verlobte ein augenrollendes, schnell beleidigtes Dummchen, das mehr ans Shoppen denkt, als Kontrastprogramm die blonde Verführung und dazu die Gedankenwelt des Wissenschaflers (darf er die entzückende Blondine attraktiv finden? Herzklappern, wenn er in die grünen Augen der Französin blickt), die mehr an einen unreifen Pubertierenden imfrühen Hormontaumel erinnert als an einen Mann mittleren Alters, der schon mal verheiratet war und daher vielleicht nicht so sehr in Überraschung gestürzt werden sollte durch die Schwingungen, die sich zwischen Männern und Frauen entwickeln können.

Nein, ein Krimi oder Thriller muss nicht immer intellektuell anspruchsvoll sein, aber hier stimmte einfach gar nichts für mich. Der Ansatzpunkt des Plots war reizvoll - aber ach, die Chancen des Buches wurden durch die Umsetzung leider verspielt. Gesamteindruck: Enttäuschend.

J.R. Dos Santos, Vaticanum
luzar publishing, 2019
512 Seiten, 18,50 Euro
978-3-946621-04-1

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