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Mord im Kloster

 Eine Auszeit im Kloster gegen Bürnout oder zur Sinnsuche - das erfreut sich zunehmender Beliebtheit, vor allem, wenn es nicht mit den Gelübden von Armut, Keuschheit und Gehorsam verbunden ist. In Eva Almstädts "Ostseekreuz" sucht auch ihre Serienheldin Pia Korittki hinter Klostermauern inneren Frieden. Sie  ist im 17. Band der Reihe um die Lübecker Ermittlerin zwar nicht ausgebrannt, wohl aber traumatisiert von den Folgen einer Entführung, in der die Kommissarin selbst das Opfer war. Zudem schwebt sie noch immer in Gefahr, ist der Täter doch immer noch hinter ihr her und bedroht auch ihren sechsjährigen Sohn.

Klar, dass es in einem Krimi eher nichts mit der inneren Einkehr wird. Zum einen sucht in einem zweiten Erzählstrang  Pias Kollege und Liebhaber Marten als Zielfahnder nach dem Entführer - da kommt es durchaus zu Action-Szenen. Zum anderen  ist auch das Kloster in Ostseenähe trotz aller Abgeschiedenheit nicht der ersehnte Ort des Friedens. 

Die anderen Klostergäste haben alle ihre eigene Agenda, die nicht immer mit der vor allem ihre Ruhe suchenden Pia in Einklang stehen. Zum anderen sorgt der Tod eines Mönchs für das Ende des klösterlichen Friedens. Schon bald steht fest: Bruder Zacharias wurde ermordet. Als "verdeckte  Ermittlerin" unterstützt Pia ihre Kollegen, die den Fall offiziell untersuchen. Als es zu einem weiteren Todesfall kommt,  ist der Klosterurlaub für alle Beteiligten endgültig nicht mehr die ruhige Auszeit...

Bei Mord hinter Klostermauern denke ich zwar immer zuerst an den "Namen der Rose", doch auch Eva Almstädt gelingt es, Klosteratmosphäre und Spannung zusammen zu bringen. Die Verbindung von weltlichem und spirituellen Raum, von Tradition und alten Sünden, die Schilderung des klösterlichens Gemeinschaftslebens mit seinen Herausforderungen für jeden Einzelnen - das ist spannend und mit Gespür für Atmosphäre geschrieben, Unter den Klosterbrüdern gibt es Exzentriker, Miesepeter und Suchende. Dabei verzichtet Almstädt auf Karikierendes, sondern lässt die Mönche (fast) als Menschen wie du und ich erscheinen, die  keineswegs nur heilig über den Dingen stehen.

Auch ohne den Vorgängerband gelesen zu haben (was sicher nützlich gewesen wäre), konnte ich den Bezügen zu Pias Entführung und die daraus entstandenen Konsequenzen gut folgen. Die Kommissarin ist eine sympatische Protagonisitin, die mit ihrer ruhigen und beharrlichen Art, ihrer Gründlichkeit und dem durchaus vorhandenen Durchsetzunngsverögen glaubwürdig wirkt. Die Krimihandlung in ein Kloster zu verlegen statt in szenetypischer Locations sorgt für eine besondere Atmosphäre. Dabei überzeugen besonders die Beschreibungen des jahrhundertealten Gebäudes und seiner Umgebung.  Ostseekreuz hat mich überzeugt - und nebenher Lust auf Klosterurlaub gemacht. Wenn auch im richtigen Leben möglichst ohne Leichen.

Eva Almstädt, Ostseekreuz

Lübber 2022

414 Seiten, 11,99

978-3-404-18573-3

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