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Toter Highlander, sterbende Zeitungen und eine Gesellschaft in Aufruhr . Das Grab in den Highlands

 Ziemlich viele Themen bringt Douglas Skelton in seinem Buch "Das Grab in den Highlands" um die schottische Reporterin Rebecca Connolly zusammen: Leichen in historischer Tracht an historischen Orten, Rechtpopulisten, ein Stadtteil, der sich gegen den Zuzug eines verurteilten Sexualstraftäters stellt, organisierte Kriminalität, toxische Männlichkeit,  Machokultur und der Niedergang der Zeitungskultur. Das ist dann auch bei 432 Seiten Länge mitunter etwas viel, um allen Themen gerecht zu werden und am Ende stiften einige Details eher zusätzliche Verwirrung als sich in den Plot einzufügen, lenken im Gegenteil von den tatsächlichen Hintergründen ab.

Auf dem historischen Schlachtfeld Culloden wird die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, in Highlander-Tracht, durchbohrt von einem Highlander-Schwert. Reporterin Rebecca stößt eigentlich nur auf den Fall, weil sie Chauffeursdienste für den befreundeten Fotografen Chaz leistet - die beiden berichteten eigenttlich von einer Kundgebung in einem eher übel beleumdeten Stadtteil von Inverness, auf der Mo Burke, die Mutter eines kriminellen Familienverbands, gegen den Zuzug eines Pädophilen auf die  Straße ging. In einem widerwillig gewährten Interview erfährt Rebecca, dass das Thema Missbrauch für Mo ein sehr persönliches ist.

Eingeschoben in die Handlung sind Rückblenden aus der Sicht eines namen- und geschlechtslosen Kindes, das von einem Mann regelmäßig missbraucht wird, während die übrigen Familienangehörigen das Geschehen ignorieren. Um wen es sich handelt, darüber lässt der Autor die Leser lange Zeit grübeön und sorgt dafür, dass stets mehrere Interpretationsmöglichkeiten bestehen.

Ob  Douglas Skelton eine Medienvergangenheit hat, weiß ich nicht, aber er schildert das Dilemma der Printbranche ausgesprochen realitätsnah: Die Kürzungen und der Personalabbau, die Content-Manager, die an die Stelle von Redakteuren sehen, die neuen Entscheider, die Klickzahlen generieren wollen und es gar nicht gerne sehen, wenn Reporter vor Ort recherchieren statt am Telefon Informationen abzufragen und sich der nächsten Fließbandproduktion zuzuwenden. Auch die Konkurrenz von Journalisten verschiedener Medien um Exklusivinformationen, dass Spannungsverhältnis zwischen Medienvertretern und Ermittlern, die sich einerseits brauchen und andererseits misstrauen - doch, das entspricht schon sehr dem "richtigen Leben".

Die Kriminalbeamtin Valerie Roach verkörpert diese Ermittlerseite, ähnlich wie Rebecca eine Frau, die sich immer wieder mit Macho-Kultur innerhalb des eigenen Berufsstands behaupten muss. Bei den vielen Fäden des Plots wirkt "Das Grab in den Highlands" mitunter fast überfrachtet. Besonders die atmosphärische Schilderung der Highlands und der verschiedenen Gegenden von Inverness hat hier überzeugt. Nebenbei gibt es auch noch Hintergründe der schottischen Geschichte, bei denen der berühmte "Bonnie Prince Charlie" gar nicht so gut weg kommt. Mich hat der Ausgang überrascht, ich hatte eine etwas andere Konstellation überlegt. Douglas Skelton hat es auf jeden Fall geschafft, beim Lesen Hochlandnebel, Heidekraut und das kehlige schottische Englisch vor meinem inneren Auge (und Ohr) entstehen zu lassen.


Douglas Skelton, Das Grab in den Highlands

Dumont 2022

432 Seiten, 12 Euro

 978-3-8321-6593-2

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