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Exzentrische Frauen, vielleicht auch Mörderinnen

 Mit "Tea Time" ist Ingrid Noll irgendwie zu ihren Anfängen zurückgekehrt: Was "Die Apothekerin" einer ihrer frühen Erfolge, ist die Ich-Erzählerin Nina als Apothekenhelferin in der gleichen Branche. Die junge Frau aus einer Kleinstadt an der Bergstraße pflegt ihre Spleens - ebenso wie ihre fünf Mitstreiterinnen aus dem "Club der Spinnerinnen". Ninas Freundin Franzi etwa kämmt mit Vorliebe Teppiche, Supermarktkassiererin Jelena deutet Wolkenbilder und die Lehrerin Corinna steigt als Voyeurin in fremde Gärten ein. Nina wiederum fotografiert mit Vorliebe Unkräuter, wickelt sich im Bett in einen dichten Kokon - eine für die Partnersuche eher hinderliche Angewohnheit und entwickelt im Laufe des Buches eine leichte kleptomanische Ader.

Es wäre kein Ingrid Noll-Kriminalroman, wenn nicht auch mörderische Instinkte und unangenehme Männer zur Handlung gehörten. Der unangenehme Mann heißt in diesem Fall Andreas Haase, ist der Ex von Jelena und der Vater ihrer kleinen Zwillingssöhne. Die halten ihn zwar für einen super Papa, aber neben Alkoholproblemen fällt der arbeitslose Uhrmacher mit unerwünschten sexuellen Avancen auf, als er im Park Ninas verlorene Handtasche findet. 

Die Auseinandersetzung schaukelt sich nach und nach hoch - bis Haase eines Tages tot aufgefunden wird und Nina die Antwort auf eine schreckliche Frage finden muss. Hatte sie da etwa eine Hand im Spiel? Eher unabsichtlich, aber vielleicht doch unbewusst morden wollend? Zwischen schlechtem Gewissen und eher dilettantischer Detektivarbeit findet Nina gleichwohl noch Zeit, ihrem ebenfalls eher verschrobenen Nachbarn Yves näher zu kommen.

Frauenfreundschaft und -solidarität, Sympathie mit skurrilen Charakteren und Lust am Absurden prägen diesen Kriminalroman mit zahlreichen humorvollen Elementen und manchem Wortspiel. Mit ein bißchen Verrücktheit, so die liebenswerte Botschaft, kommt man entspannter durchs Leben.


Ingrid Noll, Tea Time

Diogenes 2022

320 Seiten, 25 Euro

978-3-257-07214-3

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