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Hulda Gold und ihre persönlichste Herausforderung

 Um Verbrechen geht es in Anne Sterns Büchern um die patente Hebamme Hulda Gold im Berlin der Weimarer Republik immer eher am Rande - im Mittelpunkt steht die junge Frau auf der Suche nach Selbstverwirklichung, aber auch nach Liebe und Anerkennung. Forsch, aufgeweckt und engagiert geht es der jungen Hebamme immer auch darum, das Schicksal der ihr anvertrauten Wöchenrinnen zu verbessern. Dabei geht  es immer auch um Frauenrechte und die Forderung nach Gleichheit, auch wenn Hulda nicht als entschiedene Feministin auftritt - als "Sonntagsfeministin" bezeichnet sie sich im Gespräch mit ihrer Freundin Greta, einer kommunistischen Armenärzten.

Im nunmehr fünften Band der Serie steht Hulda vor ihrer persönlichsten Herausforderun: Sie ist schwanger, und angesichts des Unfalltod ihres Verlobten auf sich gestellt. Die Eltern des Kindsvaters, die die Beziehung missbilligt hatten, sind keine Hilfe.  Ihren Posten als Hebamme in der Frauenklinik musste sie aufgeben. Glück im Unglück: Greta hat sie nicht nur bei sich aufgenommen, sondern ihr auch eine Stelle als Arzthelferin angeboten. Doch wenn das Kind erst mal geboren ist, würde die feuchte Souterrainwohnung alles andere als ideal sein, mitten in einem Arbeiterkiez, der im Berlin des Jahres 1926 geprägt ist von der Gewalt zwischen Nazi-Trupps und Kommunisten, die "Die rote Insel" verteidigen.

Auch der Tod eines Kohlehändlers wird in diesem Zusammenhang gesehen, doch Hulda hört beunruhigende Andeutungen - der Mann soll einmal eng mit Greta gewesen sein, doch dann kam es offenbar zu einem Bruch. Hat ihre Freundin etwas mit dem Tod des Mannes zu tun? Und wie soll Hulda mit den vorsichtigen Avancen des verwitweten Kolonialwarenhändlers Schröder umgehen, eines einsamen Mannes, den sie zwar nett findet, in den sie aber keinesfalls verliebt ist. Soll sie aus finanziellen Gründen eine Vernunftehe eingehen?

Dabei hängt Hulda irgendwie immer noch an ihrem Ex Karl, einem ehemaligen Polizisten, der sich nun als Privatdetektiv durchschlägt, aber auch seinem gerade erst gefundenen Erzeuger Antoni Wolkow zur Hand geht, der zu den berüchtigten Ringvereinen gehört. Doch Karl interessiert sich neuerdings für eine kesse Fotografin.

In der Hörbuchfassung ist es erneut die Schauspielerin Anna Thalbach, die den Roman interpretiert - mit leicht rauchiger Stimme, immer wieder herzhaft berlinernd, mal laut, mal mit leisen, zurückgenommenen Tönen. Ihre Stimme und Ausdrucksskala gehört einmal mehr zu den Höhepunkten und passt punktgenau zum Stil des Buches.

Die Mischung aus Spannung, Sozialkritik und ein bißchen Liebe ist schon in den ersten Bänden gut gelungen, auch hier stimmt sie wieder. Das Ende lässt ahnen - Anne Stern hat noch so manche Idee für weitere Abenteuer von Hulda Gold.


Anne Stern, Fräulein Gold. Die Rote Insel

gelesen von Anna Thalbach

Argon Verlag 2022, 

9 Stunden 49 Minuten, 20 Euro

978-3-7324-5924-7

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