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Polizeithriller mit Horrorelementen

  Es ist gewissermaßen ein nahtloser Übergang, den Anders de la Motte in seinem Polizeithriller "Eisiges Glas" vollzieht. Der Prolog ist zugleich der Abschluss des Vorgängerromans "Stille Falle" um die bei einem Prepper aufgewachsene Polizistin Leonore Asker und ihren nerdigen Jugendfreund und urban Explorer Martin Hill. Der vorangegangene Fall um einen Serienmörder hat beide an Grenzen geführt - und in "Eisiges Eis" haben die ungleichen Freunde keine Zeit, wirklich zu entspannen.

Dabei dachte Martin, der Auftrag, eine Biographie des Unternehmers Gunnar zu schreiben, sei ein harmloser Zeitvertreib, während er seine Schussverletzung vom vorangegangenen Fall auskuriert. Denn "UFO-Gunnar" ist eine schillernde Figur - vor Jahren berichtete er über seine Erfindungen im medizintechnischen Bereich, sie seien ihm von Außerirdischen mitgeteilt worden. Zudem gehört zu dem Anwesen des Unternehmers eine Insel mit einem verlassenen Observatorium, das Martin nur allzu gern erkunden möchte.

Leo Asker dagegen ahnte, dass es Stress gibt, als sie nach fast 20 Jahren Funkstille einen Anruf ihres Vaters erhält. Prepper Per, der sie als Kind einem militärischen Drill unterwarf und versuchte, sie zu töten, als sie als 16-jährige ein selbstbestimmtes Leben führen wollte. Nun braucht er sie - denn in der Nähe seiner Farm ist eine Leiche gefunden worden. Per ist klar, dass er unter Mordverdacht geraten dürfte - und Leo weiß, das ein Versuch, ihren Vater auf seinem untertunnelten Grundstück voller Waffen und Sprengstoff festzunehmen, in einem Blutbad enden dürfte.

Der Ermittlungsleiter in dem Mordfall gibt Leo klar zu verstehen, dass sie sich raushalten soll. Klar, dass die eigensinnige Polizistin gar nicht daran denkt. Doch diesmal muss sie nicht im Alleingang vorgehen - als Leiterin der Abteilung für besondere Vorfälle und verlorene Seelen hat sie ein Team von Exzentrikern, die sie zwar zunächst für Versager gehalten hat, die aber durchaus Qualitäten haben.

"Eisiges Glas" ist nicht der übliche Krimi, sondern spielt mit Horrorelementen und dem düsteren Setting eines Lost Place, mit dysfunktionalen Familien, Wissenschaftlern ohne Gewissen und Geheimnissen, die um jeden Preis gewahrt werden sollen. Erneut gibt es verschiedene Erzählperspektiven - Leo, Martin und den geheimnisvollen "gläsernen Mann", der ähnlich wie der Troll im ersten Band zum Mörder wurde und eine versteckte Existenz führt. Zusammengeführt werden diese Erzählfäden erst am Schluss. Bis dabei auch die letzten Geheimnisse gelüftet werden, herrschen Spannung und Paranoia. Die Fortsetzung hält, was der erste Band versprochen hat.

Anders de la Motte, Eisiges Glas

Droemer Knaur 2024

544 Seiten, 16,99

 9783426309551

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