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Ökokrimi aus dem Schwarzwald

 Der elfte Fall von Georg Dengler in Wolfgang Schorlaus Schwarzwaldkrimi "Black Forest" wird sehr persönlich für den Privatdetektiv aus dem Südwesten. Zum einen geht es für ihn back to the roots, auf den Bauernhof seiner Mutter Margret. Anrufe der örtlichen Polizei und alter Bekannter lassen befürchten, dass die alte Frau wunderlich wird, womöglich eine Demenz entwickelt - wiederholt hat sie die örtliche Polizei angerufen, dass Fremde sich nachts auf dem Hof herumtrieben - angetroffen wurde nie jemand. Dengler ist verständlicherweise besorgt.

Wer Schorlaus Dengler-Serie über die Jahre hinweg verfolgt hat, weiß: Hier geht es nie nur ums Persönliche, aktuelle Bezüge, auch Probleme bei der Polizei, werden immer wieder thematisiert. Schließlich hatte ja auch Dengler seinen Posten beim LKA aufgegeben, weil er sich mit den dortigen Zuständen nicht abfinden wollte. Und die Polizeiskandale der vergangenen Jahre sorgen obendrein dafür, dass dem Autor die Themen nicht ausgehen.

Zugleich ist "Black Forest" ein Öko- bzw Energiekrimi, in dessen Zentrum unvermittelt Denglers Mutter steht, die mit Herzensweisheit und alemannischem Dialekt schnell zu einer Lieblingsfigur mutiert. Eine örtliche Ökogruppe möchte auf einem ihrer Äcker ein Windrad errichten. Doch die alte Dame hat bereits ihrer Heilpraktikerin versprochen, diesem Vorschlag nicht zuzustimmen - aus Angst vor Strahlung und Sorge um Vögel, die in den Sog des Rades geraten könnten. 

Denglers Sohn, mitten in einer Beziehungskrise aus Berlin angereist, versucht die Oma vom Gegenteil zu überzeugen. Und während er sich mit seinem Vater noch um die Legitimität von Klimaklebern und das Gendern streitet, erfahren die Leser*innen, dass das Windrad auf dem Acker mächtige Gegner hat, die die ganze Energiewende  gerne rückgängig machen wollen. 

Damit hat Schorlau eigentlich bereits reichlich Stoff, scheint aber entschlossen, in diesem Band allen Denglerschen Familiengeheimnissen auf den Grund gehen zu wollen. In einem Nebenstrang setzt sich Dengler mit einem persönlichen Trauma auseinander und findet heraus, was es mit dem Unfalltod seines Vaters in seiner Kindheit auf sich hatte.

Viele Themen also, dennoch wirkt "Black Forest" nicht überfrachtet. Die aktuelle Thematik und die Art, wie Schorlau große Probleme und Themen auf die kleine Welt in den schwäbisch-allemannischen Hügeln herunterbricht, hat mir jedenfalls sehr gut gefallen. Obendrein führt er in dem Buch den generationsübergreifenden Dialog über gesellschaftliche Themen, wokeness und politische Korrektheit, der in der Gesellschaft so oft an wechselseitiger Verhärtung der Positionen scheitert. Da erweist sich Boomer Dengler als lernfähig - und Margret Dengler ist für manche Überraschung gut.


Wolfgang Schorlau, Black Forest

Kiepenheuer & Witsch 2024

448 Seiten, 18 Euro

9783462051391

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